Das „Count-down“ der Mode bis zur Einjährigen frachte die Couturiers auf eine naheliegende Idee, nämlich eine Couture-Mode für wirkliche Kinder zu machen. Das ist geradezu ein Ereignis, denn die Kindermode stagniert seit Jahren. Fünfzigjährige Tradition, sprich klassische Langeweile, macht sich ganz besonders in Frankreich breit. Doch jetzt ist Schluß mit den Mädchen in Rosa und den Knäblein in Hellblau, affig herausgeputzt wie die Puppen im Karton.

Marc Bohan von Dior wird im November eine „Baby-Dior-Boutique“ im eigenen Haus eröffnen und dort für Ein- bis Dreijährige von der Babyklapper bis zum ersten Nerzmäntelchen alles fürs liebe Kind anbieten. Mit Dior-Stempel.

Emmanuel Ungaro wird bald mit einer Kollektion von fünfzehn Modellen für kleine Mädchen beginnen, in den klaren Farben eines Tuschkastens. Für Knaben, die er in Blazern, langen Hosen und Mini-Krawatten äußerst bemitleidenswert findet, will er später etwas erfinden.

Auch Pierre Cardin ist bereit, für den nächsten Winter zusammen mit der Pariser Firma „Juvenil’s“ Kindermodelle für Knaben und Mädchen zwischen drei und neun zu entwerfen.

Daniel Hechter, Avantgardist der Pariser Konfektionäre und Vater einer dreijährigen Tochter, hat bisher die größte Kinderkollektion herausgebracht: sechzig Modelle, die nicht nur in den „Galeries Lafayette“, sondern auch in England, Holland, Belgien und der Schweiz zu kaufen sein werden.

Während die Pariser Konfektion mit dem „Mutter/Tochter-Look“, bei dem beide gleich infantil angezogen sind, herumtändelt, ruft Rudi Gernreich in den USA: „Kinder sollen nie wie Erwachsene, Erwachsene aber sollten manchmal wie Kinder aussehen.“ Kinder brauchen keine „jungen“ Farben.

Richtig. So träumt Rudi von einem wunderschönen kleinen Mädchen ganz in Schwarz. Und er erinnert sich dabei an eine Bubenschar in Tokio, deren Schultracht schwarz war und ohne jede andere Farbe. Er fand, das waren die schönsten Kinder, denen er je begegnet ist. Und ein deutsches Kaufhaus, immer vorneweg, beschäftigt bereits eine Münchener Kindermodenschöpferin, Tita Wollfarth, um sich dem neuen Trend schnell anzupassen. Marietta niederer