Wenn man ihn im weißen Kittel durch das große, helle Laboratorium gehen sieht, hier einer Laborantin über die Schulter schauend, dort einem Lehrling Anweisung gebend, dann kann man ihn sich recht gut vor einer Klasse mit drei Dutzend Vierzehnjährigen vorstellen, obwohl er nie in die theoretischen Grundzüge der Pädagogik eingeweiht worden ist. Allerdings hat er auf der Universität, während er seine Doktorarbeit machte, eine Assistentenstelle gehabt, und er hat sich bei jüngeren Kommilitonen die Sporen im Unterrichten und Unterweisen verdient. Allerdings, meint er lachend, sei es nun doch ein wenig anders, ob man beflissene Studenten oder immer ein wenig oppositionell eingestellte Obertertianer vor sich hat. Trotzdem antwortete er auf die Frage, ob er gelegentlich in seiner Stellung als Wochenend-Lehrer Schwierigkeiten mit der Disziplin verspüre, mit einem sehr überzeugten Nein.

Und ebenso mit nein beantwortete er die Frage, ob man ihn in der Schule, etwa in einem Kursus, in den Unterrichtsbetrieb eingewiesen habe.

Er berichtet: „An einem Januarmorgen dieses Jahres ging es los: Der Chemielehrer der Schule, an die ich kam, zeigte mir den Chemieraum. Er gab mir die Schlüssel zu den Chemikalienschränken, zeigte mir den Gasanschluß und wies mich darauf hin, daß die Laborschemel für die Schüler zu verstellen seien. Dabei warnte er mich: Die Schüler haben sehr schnell heraus, daß man mit einem heimtückisch angebrachten Hebel klappern und unbändigen Krach machen kann. Das wußte ich aber schon von unseren Lehrlingen. Dann verabschiedete sich mein neuer Kollege, und ich stand mit allem verfügbaren Lampenfieber meiner Klasse gegenüber.“

Angefangen hatte es so: Die großen Chemiewerke wußten vom katastrophalen Lehrermangel in naturwissenschaftlichen Fächern, vom Mangel an Unterrichtsmaterial und von den geringen Fortbildungsmöglichkeiten, die die Lehrer haben. Es ist ihnen, die ja neben Chemie oder Physik, meist auch noch ein „Korrekturfach“, die Mathematik beispielsweise, zu verwalten haben, fast unmöglich, sich über die neuesten Entwicklungen auf dem laufenden zu halten.

So hatte man bei Bayer damit begonnen, den naturwissenschaftlichen Lehrern zuerst nie Werkmitteilungen ins Haus zu schicken, ihnen populärwissenschaftliche Werke über die neue Chemie zur Verfügung zu stellen. Ein paar bewegliche Schulleiter meinten, man könne auch gelegentlich Unterrichtshilfsmittel von der chemischen Industrie erbitten, mit denen sich die Stunden etwas attraktiver machen ließen.

Die Industrie hatte sich den Bitten nicht verschlossen. Aus dieser Zusammenarbeit entstanden dann jene Fortbildungskurse für Lehrer, die seit ein paar Jahren regelmäßig stattfinden. Für drei Tage lädt man sich je vierzig Lehrer ein, pfropft sie in dieser Zeit voll mit neuen Erkenntnissen und zeigt ihnen neue Verfahren. Damit sie das ungeheure Pensum dieser Kurse nacharbeiten können, gibt man ihnen den Wortlaut der Referate mit nach Hause und verehrt ihnen zum Schluß einen Experimentiersatz, mit dem sie vor der Klasse den neuen Stoff anschaulich machen können.

Aber auch diese Versuche, der Schule zu helfen und den sehr stiefmütterlich behandelten naturwissenschaftlichen Unterricht zu beleben, waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein. So erbot sich denn eine Anzahl vor allem jüngerer Industrieforscher, sich selber in den Unterrichts-