Von Werner Höfer

Bonn, Anfang Juli

Es brodelte in Bonn, am Vorabend der Notstandsdebatte. Demonstranten sammelten sich im Städtchen, Einheimische und Zugereiste. Studenten stellten die Kerntruppe. Die Revue der Transparente, die Litanei der Proteste: das alles spielte sich im Freien ab.

Was im Saale stattfand, war eine Art von Parallelveranstaltung. Das Juridicum beherbergte eine ebenso geschlossene wie gemischte Gesellschaft, die höchsten Herren der Parteien, hohe Herren vom Zweiten Deutschen Fernsehen, junge Herren (und ein paar Damen) von der örtlichen Studentenschaft sowie zwei ältere Herren vom Ersten Deutschen Fernsehen.

Das Mainzer Programm feierte die 50. Sendung „Journalisten fragen – Politiker antworten“. Ein Einfall hatte auf der Hand, der andere in der Luft gelegen: die Parteichefs Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt, Erich Mende und Franz josef Strauß einzuladen und sie einer konzertierten Verhöraktion durch: Journalisten und Studenten auszusetzen. Die publizistischen „Kanalarbeiter“ vom Kontrastprogramm, dem dreidimensional operierenden Diskussionsleiter Apel Flankenschutz gebend und selber einschlägig tätig, Montag abends (bei Whisky) der eine, Sonntag mittags (bei Wein) der andere, fungierten als Eisbrecher und Stichwortgeber,

Die Mainzer Sendung ist zwar eine Fernsehsendung, aber keine Sendung des Fernsehens. Dies ist vielmehr eine Art von Selbstgespräch der Parteien, zu dem ein paar Journalisten zugelassen sind und bei dem das ZDF als Arrangeur und Spediteur seine guten Dienste zur Verfügung stellt. Die Regeln dieser Sendung sehen vor, daß nicht diskutiert und argumentiert, sondern gefragt und geantwortet wird.

\ Doch das ist offenbar leichter gesagt als getan. Denn manche Politiker – und das gilt wahrhaftig nicht nur für die hier versammelten Spitzenstars des politischen Schaugeschäfts – antworten nur unwillig auf das, was sie gefragt werden, sagen aber um so williger, was sie an den Mann bringen wollen. Wenn sie überhaupt auf etwas eingehen, dann auf den Vorredner, den von der anderen Partei, damit er ja nicht das letzte oder gar beste Wort behält.