Von Peter Grubbe

Das chilenische Parlament hat am 28. Juni nach endlosen Debatten und Diskussionen das Gesetz über die Landreform verabschiedet. Damit haben die Demokraten Lateinamerikas zwar nicht den Krieg gewonnen, den sie seit einigen Jahren gleichzeitig gegen Fidel Castro und die Reaktionäre führen, aber eine wichtige Schlacht.

Das Gesetz sieht die Enteignung von etwa viertausend Gütern vor, die nach Ansicht der Regierung entweder zu groß für einen Besitzer oder aber schlecht bewirtschaftet sind. Das freiwerdende Land soll innerhalb der nächsten Jahre an rund hunderttausend Kleinbauern und Landarbeiter aufgeteilt werden.

Die Landreform ist einer der großen Pfeiler, auf die der chilenische Präsident Eduardo Frei sein soziales Reformprogramm stützt. Der erste und wichtigste ist die „Alphabetisierung“ Als Frei im September 1964 zum Staatspräsidenten gewählt wurde, bestand die Landbevölkerung Chiles zu über einem Drittel aus Analphabeten. In drei. Jahren, so hofft man in Santiago, wird jedes chilenische Kind zur Schule gehen. Die Regierung hat in den letzten Jahren über zwanzigtausend Schulen gebaut, und die fehlenden Lehrer werden in Schnellkursen ausgebildet.

Der zweite Pfeiler der Reform ist die „Chilenisierung“ der Kupferindustrie. Kupfer bringt dem Land fast dreiviertel seiner Devisen. Aber die großen Kupferminen gehörten früher ausschließlich nordamerikanischen Firmen. Das löste in der Bevölkerung bitteres Ressentiment gegen die Vereinigten Staaten aus. Und die Kommunisten, die eine Verstaatlichung fordern, gewannen damit bei den Wahlen viele Stimmen.

Frei hat nun die Kupferminen nicht verstaatlicht. Aber er hat durchgesetzt, daß der chilenische Staat das Recht erhält, 51 Prozent der Aktien dieser Minen zu kaufen. Auf diese Weise profitiert Chile von seinen Bodenschätzen, das Ressentiment gegen die „ausbeuterischen Yankees“ geht zurück, das Kapital und die Fachleute der Amerikaner, die man dringend braucht, bleiben Chile erhalten.

Der dritte Pfeiler des Programms ist die Landreform. Auch hier versucht Frei die Fehler zu vermeiden, die Kuba und vor fünfzig Jahren schon Mexiko begangen haben, indem sie das Land, das sie den Großgrundbesitzern wegnahmen, einfach unter die landlosen Bauern und Landarbeiter verteilten. Diese hatten nie gelernt, einen Hof zu bewirtschaften, sondern sie waren gewohnt, die Weisungen der Großgrundbesitzer auszuführen. Als keine Weisungen mehr kamen, blieben daher erhebliche Teile des Landes unbestellt, die Produktion sank, und die Menschen blieben unzufrieden.