Zu einem Artikel über den Biermann-Boykott

Der in der ZEIT Nummer 23 vom 9. Juni 1967, Seite 17/18, abgedruckte Artikel „Wolf Biermann wird nicht vergessen“ von Dieter E. Zimmer enthält auf Seite 18 in dem letzten mit „Die so entstandene Lücke“ überschriebenen Abschnitt eine Reihe unrichtiger Behauptungen, die sich auf die von mir herausgegebene Anthologie „Nachrichten aus Deutschland“ beziehen. Diese Behauptungen bedürfen einer Berichtigung.

1. Im vierten und fünften Absatz der letzten Spalte (Seite 18) stellt der Verfasser unter deutlicher Bezugnahme auf eine im dritten Absatz wiedergegebene Frage von Wolf Biermann die Behauptung auf, ich hätte die Gedichte von Wolf Biermann gegen dessen Willen in die Anthologie nicht aufgenommen, und zwar deshalb, weil ich mich einer „Pression“ hätte „beugen“ müssen und „erpreßt“ worden sei. Diese Behauptung ist unrichtig. Richtig ist vielmehr, daß Wolf Biermann seine – nur mündlich erteilte – Erlaubnis zum Abdruck seiner Gedichte nach dem 11. Plenum der SED ausdrücklich zurückgezogen hat, wofür er in erster Linie politische Gründe angab. All dies kann durch Zeugen bestätigt werden. Auch heute noch weigert sich Wolf Biermann entschieden, für eine Neuauflage der Anthologie die ursprünglich zugesagten oder neue Titel zur Verfügung zu stellen.

Pressionen von dritter Seite haben mich im übrigen bei der Auswahl der in die Anthologie aufzunehmenden Texte in keiner Weise beeinflußt.

2. Unrichtig ist ferner die Behauptung, ich selbst hätte Wolf Biermann „erpreßt“. Tatsächlich hat Wolf Biermann nach dem Erscheinen der Anthologie die Behauptung aufgestellt, daß er seine Erlaubnis für den Abdruck nicht zurückgezogen habe. Als er im Begriff war, eine entsprechende Presseerklärung herauszugeben, habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, daß er mich dadurch zwingen würde, öffentlich den Gegenbeweis anzutreten. Ich hielt ihm vor, wie es tatsächlich gewesen ist. Er gab mir schließlich Recht und räumte ein, daß er damals seine Erlaubnis zurückgezogen hatte.

3. Unrichtig ist ferner die Wiedergabe meines Gesprächs mit Wolf Biermann am 18. November 1966. Davon, daß ich seinetwegen die übrigen Lizenzen verlieren könnte, ist in diesem Gespräch gar keine Rede gewesen. Auch eine Zusicherung, er werde in der Anthologie nicht fehlen, habe ich nicht abgegeben. Außerdem hat das Gespräch vom 18. November 1966 – entgegen der in dem Artikel enthaltenen Darstellung – nicht unter Zeugen stattgefunden.

4. Unwahr ist die in dem Artikel wiedergegebene Behauptung von Herrn Dr. Raddatz, ich hätte den Rowohlt-Verlag mehrfach getäuscht. Ich habe deswegen bereits gerichtliche Schritte gegen Herrn Dr. Raddatz eingeleitet.