Von Rudolf Walter Leonhardt

Als am vergangenen Sonntag die Klagelaute, in die das Dixieland-Finale der Schuller-Oper „The Visitation ausklingt, untergingen in wildem Klatschen und Bravo-Rufen, stand es fest: Die bisher anspruchsvollste, umfangreichste und kostspieligste Nordamerika-Tournee eines deutschen Opern-Ensembles war ein Riesenerfolg geworden.

900 000 Mark hat das Wirtschaftsministerium, 1 100 000 Mark das Auswärtige Amt dazu beigesteuert; den Rest (noch einmal etwa die gleiche Summe) brachten die Kanadier und Amerikaner auf. Falls Kulturpolitik im Ausland überhaupt einen Sinn hat, dann wurden noch nie zwei Millionen wirkungsvoller verwendet.

Drei Wochen lang waren „die Hamburger“ (von denen zwar kaum einer wirklich aus Hamburg stammt, die jedoch nicht zufällig in der Hansestadt zu einem so exportierbaren Ensemble zusammenfanden) Gesprächsthema in Nordamerika, füllten sie die Kulturspalten der Zeitungen – und ich habe während all dieser Zeit in der gewiß nicht deutschfreundlichen amerikanischen Presse keine einzige deutschfeindliche Bemerkung gelesen.

Schon die „Generalprobe“ in Montreal – mit „Mathis der Maler“, „Lulu“, „Jenufa“ und dem „Freischütz“ (konzertant) – versprach allen Erfolg. Zwar waren die 3000 Plätze der Salle Wilfried Pelletier im neuen Montrealer Kunstzentrum niemals voll und manchmal nur halb besetzt – aber die Begeisterung derjenigen, die gekommen waren, ließ die leeren Plätze vergessen.

Die übrigens leicht zu erklären sind: Zum einen war die vorbereitende Werbung dort beklagenswert dürftig gewesen, auch auf dem Weltausstellungsgelände deutete kein (mir) sichtbares Zeichen darauf hin, daß es in der Stadt im Zusammenhang mit dieser Weltausstellung ein Weltfestival gab, auf dem eben beispielsweise die Hamburgische Staatsoper spielte.

Zum anderen besteht, das ist ein soziologisches Faktum, wenig Identität zwischen den Leuten, die sich Musik, und gar anspruchsvolle Musik, und gar anspruchsvolle moderne Musik anhören wollen, und denjenigen, die in der Lage sind, dafür mindestens fünf und bis zu zwanzig Dollar (nach amtlichem Umrechnungskurs zwanzig bis achtzig Mark) zu bezahlen.