• "Le Corbusier" (Nürnberg, Galerie Mobilia): Sein lithographisches Werk hat nichts mit dem liebenswürdigen Freizeitdilettantismus zu tun, dem malende und zeichnende Architekten zu huldigen pflegen. Le Corbusier war ein professioneller Maler und Graphiker, der in der Ecole de Paris keine führende, aber eine respektable Position einnimmt. Die späten Lithographien aus den Jahren 1954 bis 1964 haben manches mit Picasso und Braque gemeinsam, zu denen er seit der Frühzeit des Kubismus freundschaftlichen Kontakt gehalten hatte. Musizierende, liegende und sitzende Frauen, Stiere und Flaschen gehören zu den kubistischen Lieblingsmotiven. Le Corbusier nimmt sie immer wieder auf, um durch lebhafte Farben und groteske Verformung burleske Spiele mit ihnen aufzuführen, Bekenntnis zur "joie de vivre" und zum "bon Pantagruel", dessen Lektüre eine der schönsten Serien im August 1961 inspiriert hat. Wer in der Graphik gern den Architekten finden möchte: im "Modulor" von 1956 hat Le Corbusier einen Mann dargestellt, dessen ausgestreckter Arm gerade die Decke berührt, nach diesem Maß hat er, zum Leidwesen der Bewohner, die Zimmerhöhe eingerichtet. Die Ausstellung dauert bis zum 20. Juli.

"Vom Bauhaus zur Gegenwart" (Hamburg, Kunstverein, und Frankfurter Kunstverein): Die zweite Folge der "Meisterwerke aus deutschem Privatbesitz" ist nicht ganz so geglückt wie die erste, die im letzten Sommer ("Vom Impressionismus zum Bauhaus") zu sehen war. Am besten sind die Altmeister präsentiert, die schon im vorigen Jahr dabeiwaren und nun mit Spätwerken vertreten sind: Picasso, Braque, Chagall, Beckmann, Kokoschka. Aus den fünfziger Jahren dominieren die Abstrakten aus der Ecole de Paris, auch Künstler der 2. und 3. Garnitur. Die Privatsammler sind hier weitgehend den Intentionen der Museen gefolgt, bis in die Sackgassen sind sie den Experten nachgelaufen. Für den Surrealismus steht eine unverhältnismäßig kleine, aber vorzügliche Werkgruppe mit Max Ernst, Tanguy, Malta und Oelze. Je näher zur Gegenwart, desto dünner wird die Auswahl. Liegt das an den Sammlern, die das Risiko scheuen, oder an den Veranstaltern, die von Pop-Art, Phantastischer Kunst, Neuem Realismus und anderen aktuellen Äußerungen nichts halten? – In Hamburg nur noch bis zum 9. Juli, vom 23. Juli bis zum 15. September in Frankfurt.

Gottfried Sello