Zu den Sanierungs- und Konservierungsplänen für den Steinkohlenbergbau hat sich ein weiteres „Denkmodell“ gesellt, das in dieser Woche erstmals mit Bundeswirtschaftsminister Schiller diskutiert werden soll: Der Vorschlag des sogenannten Rheinstahl-Kreises, über den sich die Beteiligten verdächtig ausschweigen. Dem Vernehmen nach soll der Zechenbesitz der „rein zufällig“ im Rheinstahl-Haus zusammengekommenen Montan-Konzerne an eine Betriebsführungsgesellschaft verpachtet und einheitlich geführt werden. Der Pachtzins soll zwar von der neuen Bergwerksgesellschaft in erster Linie erwirtschaftet werden, doch soll ihn der Staat aufbringen, wenn sie es nicht kann.

Es stimmt doch recht elegisch, daß bei allen Kohleplänen, die in den letzten Monaten ausgeheckt wurden, zunächst einmal die offenen Hände der Beteiligten sichtbar werden. Der einzige Vorschlag, der nicht einem unternehmerischen Offenbarungseid gleichkommt, ist der sogenannte Walsum-Plan, der davon ausgeht, daß die Kohle bei voller Auslastung der besten Zechen sehr wohl in der Lage sein könnte, ihren Markt mit nennenswerten Preissenkungen Zu verteidigen. Voraussetzung wäre aber ein rascher Kapazitätsschnitt.

Anhänger des Walsum-Planes gelten indessen bei den anderen Pläneschmieden des Bergbaus als Illusionisten. Aber es ist kein Taschenspielertrick: Es gibt Zechen an der Ruhr, die auch am heutigen Energiemarkt Geld verdienen.

Da ist die Zeche Wulfen von der Math. Stinnes AG, deren echte Förderkosten bei 40 Mark je Tonne Kohle, das heißt weit unter den Äquivalentpreisen des Heizöles liegen. Das ist möglich, weil Wulfen als sogenannter „Primitiv-Bergbau“ betrieben wird, weil man auf den kostspieligen Perfektionismus der üblichen Übertage-Investitionen verzichtet hat.

Das ist vielleicht ein Sonderfall. Die ganze Wahrheit aber wird sichtbar, wenn man das Ergebnis der rigorosen Kapazitätsbeschneidung bei der Fried. Krupp Hütten Werke AG besieht. Die Kohleförderung dieses Unternehmens wurde innerhalb von zwei Jahren um nicht weniger als 40 Prozent zurückgenommen und auf zwei große Schachtanlagen konzentriert. Die beiden verbleibenden Zechen – darunter die Schachtanlage Rossenray mit ihrer im kontinentalen Bergbau unerreichten Schichtleistung von 5,5 Tonnen – werden jetzt voll ausgenutzt, und siehe da, sie arbeiten mit „erfreulichen Gewinnen“, wie die Unternehmensleitung ein wenig verschämt aber uneingeschränkt bekanntgibt.

Könnte der Fall Wulfen vielleicht noch als Sonderfall durchgehen – das Exempel Krupp-Bergbau setzt verbindliche Maßstäbe dafür, daß auch mit der Kohle Geld verdient werden kann. Und das wäre doch der nächstliegende Weg für eine Sanierung des Bergbaus.

Ingrid Neumann