Wenig Gegenliebe fand bei den Amerikanern der Vorschlag des italienischen Außenministers Fanfani, das technologische Gefälle zwischen den USA und Europa mit Hilfe eines „technischen Marshallplans“ auszugleichen. Wie Business Week berichtet, meint man in Amerika, die Europäer sollten sich gefälligst selbst helfen, Ihr Rückstand sei die Quittung für zu starre Ausbildungssysteme, rückständiges Management und zu geringe Forschungsanstrengungen.

Selbsthilfe will nun das englische Ministry of Technology üben: Jungen Engländern, die in Amerika ihr Studium beenden, soll ein Job in ihrer Heimat schmackhaft gemacht werden; Emigranten, die wohl den Dollar schätzen, nicht aber den american way of life, sollen zurückgeworben werden. Darüber hinaus will man amerikanischen Managern, Technikern und Wissenschaftlern Angebote machen.

Mit der Rückwerbung hat das Wissenschaftsministerium zwei Unternehmensberater beauftragt. Ihnen wird während der nächsten drei Jahre rund eine Million Mark für den Aufbau dreier Kontaktbüros in den USA zu Verfügung gestellt.

Den Engländern scheint Eile geboten. In den letzten zwölf Monaten wanderten nach ihren Schätzungen rund 30 000 Techniker und Wissenschaftler in die USA ein. Davon kamen gut 40 Prozent aus Europa. Die meisten von ihnen (über 20 Prozent) rekrutierten sich aus England.

Den Amerikanern fehlen nach wie vor qualifizierte Fachleute auf fast allen Gebieten. Sie geben offen zu, daß sie noch intensiver als bisher europäische Fachleute anwerben wollen.

Bei dem Kampf um die besten Köpfe können die Engländer freilich nicht mit den Gehältern der Amerikaner konkurrieren. Ein junger Hochschulabsolvent erhält in den USA 32 000 bis 48 000 Mark Jahresgehalt und mit etwa 45 Jahren kommt er auf etwa 80 000 Mark.

In England beginnt er dagegen mit einem weitaus geringeren Gehalt. Es steigt jedoch kontinuierlich, so argumentiert das Ministerium, bis er in den Ruhestand tritt. In Amerika muß man in verantwortlicher Position damit rechnen, daß ab Mitte vierzig das Einkommen stagniert. Die Amerikaner kontern: Selbst wenn das Grundeinkommen in England steiler und länger ansteigt, so bleibt ein Mann in führender Position doch immer ärmer. Dafür sorgt allein schon die ungleich höhere Steuerbelastung in England.

rod.