Von Sybil Gräfin Schönfeldt

Am 28. Juni ist zum 12. Male der Deutsche Jugendbuchpreis verliehen worden. Den Preis für das beste Bilderbuch erhielt Lilo Fromm: „Der goldene Vogel“ (Verlag Ellermann, München); für das beste Kinderbuch Andrew Salkey: „Achtung Sturmwarnung“ (K. Thienemanns Verlag, Stuttgart); für das beste Jugendbuch Peter Berger: „Im roten Hinterhaus“ (Schwalbenverlag, Stuttgart); für das beste Jugendsachbuch Kurt Lütgen: „Rätsel der Nordwestpassage“ (Verlag Westermann, Braunschweig).

Jeder der Preise ist mit 7500 DM dotiert und jede der beiden Prämien mit 2500 DM: Sie gingen an Heinrich Pleticha für die gute Bearbeitung eines historisch-naturwissenschaftlichen Sachbuchs („Galilei und Newton“, Verlag Ensslin, Reutlingen) und an Inge Wiskott und Johannes Grüger für die gelungene Einheit zwischen Illustration und Übertragung („Die Kürbiskinder“, Herder Verlag, Freiburg).

Der Preis – einziger Staatspreis für Literatur – hat bewegte Jahre hinter sich. Mißtrauen gegenüber der Unabhängigkeit der Jurys, Kritik an pädagogisch ausgezeichneten, aber todlangweiligen Preisbüchern („Fragt jemand danach, ob den Kindern die Bücher auch gefallen?“), nationale Forderungen nach Lorbeer nur für deutsche Dichter, Kritik vor allem an dem etwas verworrenen Aufbau des Preises mit lauter Prämien und Sonderpreisen – das alles ist im Lauf der zwölf Jahre oft genug geäußert worden. Und es hat erstaunlicherweise, wenn auch mit der üblichen Institutionen- und Behörden-Verzögerung, gewirkt.

1963 sind die Sonderpreise gestrichen worden. 1965 ist zum erstenmal ein spezieller Bilderbuchpreis verliehen worden (davor gab es nur Kinderbuch- und Jugendbuchpreis). In diesem Jahr ist der Sachbuchpreis dazugekommen („Das macht den Preis marktgerechter“). Mit diesen vier Gruppen (Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch, Sachbuch) können die Jurys nun endlich arbeiten und allen, auch den eigenen Qualitätsansprüchen gerecht werden.

Das bedeutet freilich nicht, daß deshalb schon die Preisentscheidungen von jedermann als gerecht, empfunden werden könnten: Bilderbuchpreis und Kinderbuchpreis riefen Kritik hervor. Der eine, weil er nur die – freilich ausgezeichnete – Leistung der Illustratorin honoriert (Text vom „Goldenen Vogel“: Gebrüder Grimm), der andere, weil es sich einfach um ein schwaches Kinderbuch handelt.

Das wiederum betont den Wert der Auswahlliste. Sie erst deutet die Jugendbuch-Ernte des Jahres an, Dimension und Tendenz. Sie enthält auch die Favoriten der Einzeljurys, jene Bücher also, die auch mit im Rennen um den Preis gelegen haben. Das ist beim Bilderbuch Birminghams „Humbert und der Oberbürgermeister von London“, beim Kinderbuch sind es Otfried Preusslers „Kleines Gespenst“ und Sid Fleischmans „Firma Zaubermeister“.