Der Beschluß, den sieben Jahre alten, in Zürich verwalteten „Interglobe“ Internationale Immobilien- und Wertschriften-Anlagefonds (Vermögen gut 50 Millionen Franken) zu liquidieren, weil Kündigungen überhandnehmen, hat mit aller Deutlichkeit gezeigt: Der Ausleseprozeß unter den Immobilien-Anlagefonds, vorab jenen mit Schweizer Geburtsschein, ist noch nicht zu Ende. Mit dem Zusammentreffen abgeflachter Konjunkturkurven und dem seit Februar in Kraft befindlichen Schweizer Anlagefonds-Gesetz – einem recht anspruchsvollen Recht – ist er sogar erst richtig in Gang gekommen.

Über grundsätzlich allen Immobilienfonds (wo die Statuten die Kündbarkeit vorsehen, auch über Gebilden in der Rechtsform der AG) schwebt das Damoklesschwert der Rückgabe von Anteilscheinen, die rasch nicht mehr anders einzulösen sind als durch Realisierung von Vermögensteilen. Auf einigen Gründungen lastet zudem die Hypothek, daß „die schöne, die gesetzlose Zeit“ auch Hasardeure zu Unternehmungen verführte, die sich von der komplizierten, schwer überblickbaren Immobilienbranche besonders angesprochen fühlen. Bisher waren Zusammenbrüche „normaler“ Immobilienfonds auch schweizerischer Provenienz selten. Die Fälle des Swissbau, des Swiss-Trust und des B+Z-Anlagefonds, der in den Strudel der Fehlspekulation um die „Schweizer Ladenstadt“ in Köln geriet, sind Ausnahmen. Um so mehr macht seit geraumer Zeit eine besondere Variante von Immobilienfonds und -anlagegesellschaften von sich reden, jene nämlich, die auf der Wohlstandswelle der sogenannten „Urlaubs-Immobilien“ zu Glanz und Größe kommen wollten.

Das Vergleichsverfahren gegen die Braunschweiger Karl H. Moos & Co KG und ihre Gruppe ist nur das zur Zeit letzte Glied einer schon Jahre zurückreichenden Kette. Die als Aktiengesellschaft konstituierte Intersun Basel geriet nach dem Ausscheiden der Moos-Gruppe durch Fehldispositionen spanischer und französischer Berater ins Rutschen und hat angesichts eines Jahresverlustes von 1 Million Franken im Herbst letzten Jahres nach Veräußerung zweier Großbeteiligungen in Spanien und Italien ihr Kapital von 22 auf 4,5 Millionen herabsetzen müssen. Die in der gleichen Rechtsform geschaffene „Interiberia“ AG für Anlagen am Mittelmeer hat im Geschäftsjahr 1964/65 (neuere Angaben fehlen) 650 000 Franken und dazu im Januar 1967 ihr Verwaltungsratsmitglied K. H. Moos eingebüßt. Die Kontrollstelle vermerkte lakonisch, die bilanzierten Forderungen und Beteiligungen nicht objektiv bewerten zu können. Und dem Suninvest-Anlagefonds droht die Auflösung, nachdem die Aufsichtsbehörde die Fondsleitung Sunfona AG (Zürich) und die vom Selbstmord ihres Inhabers betroffene Depotbank Germann & Co. (Basel) als geschäftsunfähig erklärt, den Handel mit Anteilscheinen gestoppt und zur Interessenwahrung Sachwalter eingesetzt hat.

Auch in anderen Fällen hatten – was die Eidgenossen jetzt gebührend unterstreichen – in erster Linie nicht Schweizer, sondern Ausländer ihre nicht immer ganz saubere Hand im Spiel. Neben die Fahrlässigkeit trat oft genug der böswillige Vorsatz. Das gilt ebenso für die vor einigen Jahren in der Schweiz aktive, aber in Paris ansässige EPI Elysée Ponthieu Immobilière, die Appartements in Spanien gleichzeitig bis zu siebenmal verkaufte, wie auch für in der Schveiz eingetragene, aber vornehmlich im Ausland aktive Gründungen. Der große Skandal um die „Vacanza“ etwa, die das „EPI-Modell“ insofern abwandelte, als gar nicht vorhandene Objekte verkauft wurden, war bekanntlich das Werk eines in Frankfurt ansässigen Österreichers, der bevorzugt in Österreich tätige Creda-Anlagefonds ebenfalls.

In Zusammenbruch der Basler Continvest-Investcont-Gruppe, die für rund 10 Millionen Anteile an ihr überhaupt nicht gehörenden Hotelliegenschaften vertrieben haben soll, wurden im Sommer letzten Jahres ziemlich bald neben schweizerischen auch deutsche Wurzeln und überdies Querverbindungen zum ruinierten Swissbau-Fonds und zur Vacanza-Gruppe sichtbar. Die schon 1966 liquidierte Interplanung Grundstücksverwertungs AG, Zürich, ist erst kürzlich durch den Freitod eines deutschen Verantwortlichen, dem umfangreiche Betrügereien um Grundstücke und Ferienhäuser in Spanien vorgeworfen wurden, einem größeren Kreis bekanntgeworden.

Dieser erschreckende Katalog eingegangener Sumpfblüten erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Um so wichtiger scheint es, sich in diesem Dschungel Orientierungshilfen zu schaffen.

Es macht in den Rechten einen Unterschied, ob es sich um einen „klassischen“ Fonds mit Anteilscheinen oder um einen Fonds in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft, also eigentlich um eine Kapitalanlagegesellschaft handelt. Nicht jeder, der nachher „aus allen Wolken fällt“, hat neben dem üblichen Kurzprospekt mit Lockvogel-Funktion gleich auch die ausführliche Dokumentation verlangt und darin auch das Kleingedruckte gelesen. Wer sicher gehen will, erwirbt von einem in jeder größeren Organisation vorhandenen reinen Kapitalanleger, der einer Naturaldividende in Form von Urlaub die Barverzinsung (von in der Regel um 8 Prozent) vorzieht, erst einmal ein paar Feriencoupons, um an Ort und Stelle die Qualität eines Objektes zu prüfen, dessen Teilhaber er werden soll.