Auf dem Programm des Berliner Landgerichts steht in dieser Woche eine Posse voll hintergründiger Komik. Verhandelt wird gegen den Studenten Fritz Teufel und seinen Kommilitonen Rainer Langhans. Die Anklageschrift beschuldigt sie der Anstiftung zum „vorsätzlichen Inbrandsetzen von Räumlichkeiten, welche zeitweise dem Aufenthalt von Menschen dienen, und zwar in einer Zeit, während welcher Menschen in denselben sich aufzuhalten pflegen“.

Ausgelöst wurden diese Sprach-Verrenkungen von drei Flugblättern der anarchistischen „Kommune 1“, die darin die Vermutungen Berliner Zeitungen persiflierte, das Brüsseler Kaufhaus-Feuer sei das Werk linksradikaler Brandstifter gewesen. Die belgischen Freunde hätten den Dreh raus, „die Bevölkerung am lustigen Treiben in Vietnam zu beteiligen“, hieß es in einem Flugblatt. Der „untätige Zeitungsleser“ könne nun aktiv werden und sich in einem Warenhaus „diskret eine Zigarette anzünden“.

Über Geschmack- und Witzlosigkeit dieser Flugblätter läßt sich nicht streiten. Daß aber der Berliner Generalstaatsanwalt vorgibt, nicht zwischen mieser Satire und Anstiftung zum Verbrechen unterscheiden zu können, zeugt von gefährlicher Verblendung. Mit dem Brandstifter-Prozeß gegen die Kommunenmitglieder hat die Justiz genau das erreicht, was die Anarchisten-Gruppe mit ihren Aktionen plante: Sie hat die Obrigkeit lächerlich gemacht. K. H.