Bonn, im Juli

Ob die jungen Südkoreaner in Kisten verpackt in ihr Heimatland geschickt wurden, wie manche in Bonn vermuten, oder ob sie auf andere Weise heimlich abtransportiert wurden, ist ungewiß. Jedenfalls sind dreizehn junge Südkoreaner, die sich in der Bundesrepublik zur Ausbildung aufhielten, spurlos verschwunden, und das ist, mit oder ohne Verpackung, eine tolle Kiste.

Die Vermutung, daß die südkoreanische Botschaft bei dieser Aktion mit im Spiel war, grenzt an Gewißheit. Wie aus der Botschaft verlautet, wurden die Studenten von südkoreanischen Gerichten gesucht, weil sie der Geheimdienst als Mitglieder eines Agentenringes verdächtigte.

Im Frühjahr ist ein solcher Agentenring in Südkorea zerschlagen worden. Dabei wurde anscheinend eine Namensliste von Gegnern des Regimes gefunden. Auf dieser Liste standen auch Namen von Südkoreanern, die sich in Europa aufhielten. Dies war dem Geheimdienst wohl Grund genug, um die Verdächtigen im Zugriffverfahren, unter Mißachtung des Rechts der Gastländer, in seine Obhut zu nehmen.

In der Bundesrepublik hat es schon manchen Ärger mit Geheimdiensten anderer Länder gegeben, die sich wenig um deutsche Gesetze scherten, wenn es darum ging, politisch Verdächtigen die gewünschte Staatsräson beizubringen. Zuletzt waren es die Indonesier, die mit erpresserischen Fragebogen ihre Studenten traktierten. Solche Praktiken untergraben den politischen Ruf der Bundesrepublik. Die Regierung kann es nicht zulassen, daß die Bundesrepublik zur freien Wildbahn für Agentenjagd wird. Sollte sich der Verdacht bestätigen, daß unter dem Schutz der diplomatischen Immunität Menschenraub betrieben wurde, ist es mit einem kleinen Protest nicht getan.

Die Rechtslage ist eindeutig. Auch Ausländer genießen in der Bundesrepublik den Schutz der Grundrechte, auch für sie gilt, daß die Freiheit der Person unverletzlich ist. Wer aber einmal in eine Kiste verpackt ist, vermag daran nicht mehr recht zu glauben. r. z.