Über dem Mittelmeer, auf halbem Wege zwischen den Sonneninseln Ibiza und Mallorca, funkte der Pilot einen Notruf: „Ich werde gezwungen, von meinem Kurs abzuweichen.“ Wenig später landete die zweistrahlige Hawker-Siddeley-Maschine der Pechvogel-Gesellschaft Spantax auf dem Rollfeld von Bufarik – in Algerien. Reisender am falschen Ziel: Moise Tschombé, einst Herr über die Kongorepublik Katanga, dann – von 1964 bis 1965 – Premierminister des Kongo.

Der unfreiwillige Flug nach Algerien kann Tschombés vorletzte Reise gewesen sein: Beauftragte der Kongoregierung verhandelten in Algier über die Auslieferung des Gefangenen. Gibt die Regierung Boumedienne dem Ersuchen statt, so wartet auf Tschombé in Kinshasa der Galgen. Am 13. März war er dort wegen Hochverrats in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden.

Als Führer der Organisation „Conakat“ hatte der heute 47jährige schwarze Politiker 1956 seinen Kampf für ein autonomes Katanga im Verband einer kongolesischen Republik begonnen.

Als der Kongo im Juni 1960 unabhängig wurde, fiel Tschombé von der Zentralregierung ab – diskre: unterstützt von der belgischen Bergbaugesellschaft „Union Miniére“, die in Katanga Zugang zu ihren Kupfergruben behalten wollte.

Sein schärfster Gegner war Patrice Lumumba, Kongos erster Premier. 68 Tage nach seinem Regierungsantritt wurde Lumumba von Staatspräsident Kasavubu abgesetzt und von Armeechef Mobutu an Tschombé ausgeliefert. Am 12. Februar 1961 ließ der Katanga-Chef verkünden: Lumumba sei „auf der Flucht getötet“ worden. Seither wird Tschombé der Tod Lumumbas zur Last gelegt.

UN-Truppen beendeten im Dezember 1962 die Sezession Katangas. Die Provinz wurde der Zentralregierung unterstellt. Tschombé floh nach Spanien ins Exil.

Als der Kongo erneut im Chaos zu versinken drohte, holte Staatspräsident Kasavubu den Verbannten Anfang Juli 1964 zurück. Tschombé wurde am 10. September Ministerpräsident und blieb es fast ein Jahr. Mit Hilfe seiner Söldner stellte er die Ordnung wieder her. Doch gab es von Anfang an Spannungen in der kongolesischen Führungsspitze. Kasavubu entließ Tschombé am 13. Oktober 1965.

Seither führte der Millionär Tschombé in Madrid ein luxuriöses Exil-Leben. Er spekulierte mit Grundstücken, warb Söldner und bereitete seine Rückkehr an die Macht vor – bis zu dem mysteriösen Zwangsflug nach Algerien.