Während sich Israelis und Ägypter am Suezkanal Artillerie-Duelle lieferten und fast täglich den Waffenstillstand brachen, rang die UN-Vollversammlung in New York noch immer um eine Lösung des Nahost-Konflikts. In der mit Spannung erwarteten Abstimmungsrunde wurde Israel weder als Aggressor noch zu einem sofortigen bedingungslosen Rückzug seiner Truppen aus den besetzten arabischen Gebieten verurteilt, wie es der sowjetische Ministerpräsident Kossygin gefordert hatte.

In der Sondersitzung der Vollversammlung wurde hauptsächlich um zwei Resolutionsentwürfe gerungen:

  • einen jugoslawisch-indischen Vorschlag, unterzeichnet von 15 blockfreien Staaten – Inhalt: sofortiger Rückzug Israels unter Kontrolle der Vereinten Nationen, Einsetzung eines UN-Vermittlers;
  • einen Entwurf von 118 lateinamerikanischen Staaten – Inahlt: Rückzug der israelischen Truppen, gleichzeitig Beendigung des Kriegszustandes, freie Passage durch die internationalen Wasserwege im Vorderen Orient, Internationalisierung Jerusalems;
  • einen sowjetischen Entwurf. – Inhalt: Verurteilung Israels als Aggressor, Rückzug seiner Truppen und Reparationen an die Araber.

Der jugoslawisch-indische Entschließungsentwurf fand nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit. Für ihn sprachen sich lediglich 53 Delegationen aus, darunter Frankreich. Dagegen stimmten 46 Delegationen, unter anderen die USA und Großbritannien. 20 Delegationen enthielten sich der Stimme.

Ganz ähnlich fiel das Abstimmungsergebnis über den lateinamerikanischen Resolutionsentwurf aus. 57 Staaten, darunter die USA, stimmten dafür, 43 dagegen, unter anderen die Sowjetunion, 20 Staaten, einschließlich Frankreich, enthielten sich der Stimme. Der sowjetische Entwurf der ebenfalls abgelehnt wurde, erreichte die wenigsten Jastimmen.

Mit überwältigender Mehrheit dagegen erklärte die Vollversammlung die Annexion der jordanischen Altstadt von Jerusalem durch Israel für ungültig.

Vorige Woche hatte das israelische Parlament den eroberten Stadteil israelischer Verwaltung unterstellt. Israel wurde in Übereinstimmung mit einer von Pakistan eingebrachten Entschließung aufgefordert, alle weiteren Maßnahmen zu unterlassen, die den Status Jerusalems ändern würden. Angenommen wurde ferner die schwedische Forderung, alle Nationen sollten den arabischen Flüchtlingen und den übrigen Opfern des Nahost-Krieges helfen.