Unter Bruch der Waffenstillstandsverein- barungen und unter wechselseitigen Beschuldigungen kam es am Suezkanal zu bewaffneten Zusammenstößen zwischen israelischen und ägyptischen Einheiten. Die Sondersitzung der UNO-Vollversammlung konnte sich bis Mitte der Woche noch für keinen der eingebrachten Resolutionsanträge zur Beendigung des Nahost-Konflikts entscheiden. Auf seiner Rückreise von New York und Washington machte der jordanische König Hussein in London, Paris und Rom Station. Israel annektierte Alt-Jerusalem und erlaubte jordanischen Flüchtlingen die Rückkehr in die besetzten Gebiete.

Orientalisches

Die Bundesregierung ließ dem UN-Präsidenten ein Memorandum über ihre Haltung in der Nahost-Krise überreichen und machte Jordanien sowie Ägypten weitere Hilfsversprechungen. In der jordanischen Hauptstadt Amman traf Hans Joachim Hille als erster Botschafter der Bundesrepublik nach Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen ein. Kurz nach seiner Rückkehr aus Kairo flog der sowjetische Staatspräsident Nikolai Podgorny nach Damaskus und Bagdad. Bei einer Meinungsumfrage in Frankreich bezeugten 56 Prozent der Befragten Israel und 2 Prozent den arabischen Ländern ihre Sympathie.

Asiatisches

Die Bundesregierung hat wegen des Verschwindens südkoreanischer Staatsbürger aus der Bundesrepublik bei der südkoreanischen Botschaft in Bonn scharf protestiert. Für den Fall eines Krieges mit den USA sprach der chinesische Ministerpräsident Tschu En-lai den Verzicht auf ein Bündnis mit der UdSSR aus. In Burma kam es zu wilden antichinesischen Ausschreitungen. Zum zweitenmal innerhalb kurzer Zeit wurde im nordvietnamesischen Haiphong ein sowjetisches Schiff während eines amerikanischen Angriffs getroffen. Auf Drängen des „Rates der Streitkräfte“ zog der südvietnamesische Premierminister General Nguyen Kao Ky seine Kandidatur für das Amt des Staatspräsidenten zurück.

Politisches

Wegen Unabkömmlichkeit während der Verhandlungen über die mittelfristige Finanzplanung mußten Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger und Bundesaußenminister Willy Brandt ihre für diese Woche geplante Amerika-Reise verschieben. Willy Brandt hat in einem Interview seine Vorstellungen für eine europäische Friedensordnung präzisiert. Der Deutsche Bundestag ging nach der Notstandsdebatte und der Annahme des Parteiengesetzes in eine dreimonatige Sommerpause. Bonn rüstete sich zu harten finanzpolitischen Auseinandersetzungen mit denkbaren Konsequenzen für die Große Koalition. Die Wahlen zur Volkskammer brachten in der DDR einen Rückgang der Beteiligung um 0,43 Prozent und einen Verlust für die Einheitsliste um 0,02 Prozent (von 99,95 auf 99,93).