Es scheint, als sei der Stell Vertreterausschuß des Zehner-Clubs zu optimistisch mit der Ankündigung gewesen, in der Frage der Reform des internationalen Währungssystems zeichne sich ein Kompromiß ab. Nicht eine neue Reservewährung, sondern erweiterte Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds heiße die Lösung.

Aus den Vereinigten Staaten hörte man andere Töne. Das Wirtschaftsmagazin Business Week berichtete, die USA beständen auf einer Lösung, die jährlich mindestens zwei Milliarden Dollar neue Währungsreserven schaffe. Nur so, meint man in Washington, könne einer akuten Liquiditätskrise und damit den Gefahren für den freien Welthandel begegnet werden. Wenn Bundeskanzler Kiesinger nach den USA reise, werde Präsident Johnson alles tun, um die Bundesrepublik zu diesem Standpunkt zu „bekehren“.

Abgesehen davon, daß mit dieser starren Haltung Amerikas die Aussichten auf eine fruchtbare Debatte auf der im September in Rio stattfindenden Jahrestagung der Weltbank geschwunden sind, muß die seit Jahren geführte Debatte um die Reform des Weltwährungssystems wieder von neuem beginnen.

Amerika dürfte kaum gut beraten sein, wenn es seinen Standpunkt mit sanfter Gewalt durchzusetzen versucht. Die europäischen Länder, die bisher Frankreichs Offensive gegen den Dollar nicht mitgemacht haben, werden mit Sicherheit zu de Gaulle überschwenken, wenn Washington seine eigenen Sorgen über die Befürchtung der Europäer stellt, neue Währungsreserven könnten die Inflationsgefahren erhöhen. mh.