Es hat keinen Sinn, sich ein besseres Filmfestival in Berlin zu wünschen als die Berlinale. Denn die sie veranstalten, geben sich Mühe, mehr kann man nicht verlangen. Alle Jahre wieder geben sich dieselben Leute die gleiche Mühe mit dem gleichen Ergebnis – einem meist langweiligen offiziellen Programm. Das hat etwas Beruhigendes: Es ist dafür gesorgt, daß die Berlinale nicht schlechter werden kann.

Auch mit der Teilnahme der Ostblockstaaten hat es wieder nicht geklappt: Sie haben sich auch von der eigens dafür mühsam zusammengebastelten Berliner Festspiel GmbH nicht einladen lassen. Das war nicht anders zu erwarten: Es war stets von einem Trick die Rede, mit dessen Hilfe man einen Teil der Ostblockstaaten für die Berlinale zu gewinnen hoffe. Kein Wunder also, daß die Ostblockstaaten ebenfalls von einem Trick sprechen und wegbleiben. Nur die Jugoslawen ließen den Trick Trick sein und kamen.

Zur Eröffnung sprach der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz und bewies wieder einmal seine Unerschrockenheit: Als Willy Brandt die Berlinale zum sechsten oder siebten Male eröffnete, da fragten wir uns, was kann man da beim zehnten oder zwölften Male noch sagen? Die Berliner Filmfestspiele fanden in diesem Jahr zum siebzehnten Male statt.

Der Film, der zu seiner Eröffnungsansprache gepaßt hätte, lief ein paar Tage später: Ulrich Schamonis "Alle Jahre wieder", eilt Oeuvre aus der Schamoni-Kiste "Spießige Filme über Spießer für Spießer". Hannes, der über Weihnachten zu seiner Familie nach Münster fährt, sagt zu seiner Freundin, die er mitgebracht und in einem Hotel abgeladen hat: Immer dieselbe Schau, jedes Jahr. Tja, ich hau ab, Schätzchen, dank dir schön. Mach dir’s ein bißchen gemütlich, hast ja alles. Nach der Mette bin ich sofort zurück. Weißt du, der Spezi freut sich ja wie’n Schneekönig, wenn er mit dir’n Kleinen trinken kann.

Als zweiter deutscher Beitrag zum offiziellen Programm lief "Tätowierung", der erste lange Film von Johannes Schaaf.

Er erzählt von einem sechzehnjährigen Jungen, der seinen wohlwollenden Adoptivvater eines Tages so satt hat, daß er ihn auf einem gemeinsamen Sonntagsspaziergang niederschießt. Die Geschichte ist von Günter Herburger, und sie ist nicht schlecht: Der Adoptivvater zumal ist eine gelungene Figur aus dem aktuellen Gruselkabinett, eine jener Typen, die so viel Verständnis für die Jugend und ihre Probleme und so weiter übrig haben, daß sich die so verstandene Jugend nach geschlossenen Heimen zu sehnen beginnt. Aber Günter Herburger und Johannes Schaaf machen sich nicht lustig über ihn und beuten ihn nicht aus, sie lassen sich nicht zu ihm herab: Der Adoptivvater Bennos wird das Opfer eines mißlungenen Versuches, glücklich zu werden, und es ist letzten Endes sogar ein unschuldiger Versuch, der da mißlingt.

Herr und Frau Lohmann, die Benno zu sich genommen haben, wollen nichts als dies: in einer schönen Wohnung leben, ihre Mosaikfabrik verwalten, Benno verwöhnen, ihn beobachten, ihn glücklich sehen, sehen, wie er mit ihrer zwanzigjährigen Nichte Gaby schläft, und dann selber miteinander schlafen.