Phantasie haben heißt nicht, sich etwas auszudenken; es heißt sich aus den Dingen etwas machen.

Thomas Mann

Amoralisch und hysterisch

Die Münchner Abendzeitung hat ihre Leser aufgefordert, zu einer Aussage des amerikanischen Psychoanalytikers Erich Fromm Stellung zu nehmen, der in der Illustrierten Look über die deutsche Jugend schrieb, sie sei „völlig bindungslos, amoralisch und ohne Glauben; ungeführt und bar jeglicher Motive ist sie den Verlockungen der Hysterie und der Absurdität ausgesetzt. Sie empfindet keinerlei Loyalität, weder gegenüber sich selbst noch gegenüber der Gesellschaft. Sie ist wahrhaft nihilistisch. Wir werden einst von ihr hören, und es werden keine guten Nachrichten sein.“ Den bayrischen Abiturienten dieses Jahres wurde das Zitat als ein Thema für den deutschen Aufsatz vorgelegt; sie empörten sich ebenso über das pauschale Urteil wie Lehrer, Priester und der Schriftsteller Heinar Kipphardt. Auf das Urteil der weiteren Öffentlichkeit darf man gespannt sein.

Filmhochschule

Die Bayrische Hochschule für Fernsehen und Film, deren Errichtung im Juli 1966 beschlossen worden war, beginnt im November dieses Jahres mit der Arbeit. An der Finanzierung der Anstalt, die einen Jahresetat von zunächst 1,2 Millionen Mark hat, sind das Land Bayern, die Stadt München, der Bayrische Rundfunk und das Zweite Deutsche Fernsehen beteiligt. Das Studium an der Hochschule dauert sechs Semester; in jedem Jahr werden fünfzig bis sechzig Kandidaten aufgenommen. Bewerbungen für das nächste Studienjahr sollen bis zum 26. Juli in München, Kaulbachstraße 16, eingereicht sein.

Oskar Maria Graf