Die martialische Begleitmusik zu den Nachfeiern lieferten 200 weiße Restsöldner. Der Kongo konnte seinen siebenten Jahrestag in Ruhe feiern, aber kurz darauf knallte es. In Kisangani, dem ehemaligen Stanleyville, und in Bukavu richteten die weißen Söldner die Waffen auf ihre schwarzen Brötchengeber. Sie besetzten, nach oft geprobter Manier, in beiden Städten Post, Rundfunkstation, Hotel und Flughafen, sprengten eine Brücke und postierten ihre offenen Panzerwagen an den Straßenecken. Sei es, daß den Rebellen der rechte Auftrag fehlte, sei es, daß sie des Putschens überdrüssig wurden, sie zogen sich angesichts Mobutus Nationalarmee auf den Flugplatz von Kisangani zurück, stahlen eine DC-3 der Air-Congo und flogen ihre Verwundeten nach Rhodesien aus. Ein gutes Dutzend belgischer und französischer Journalisten, die als Gäste des Regierungschefs Mobutu in den Kongo gekommen waren, um sich davon zu überzeugen, daß die kongolesischen Wirren der Vergangenheit angehören, sahen sich plötzlich als Geisel in den Händen der Söldner.

Der eiligst in New York einberufene Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fügte seinem Kongo-Kapitel eine neue Seite hinzu: Er beschloß einstimmig eine Verurteilung all jener Staaten, in denen geduldet wird, daß Kongo-Söldner angeworben werden.

Wer die Hintermänner dieses Miniaufstandes waren, blieb im Dunkel. Regierungschef Mobutu in Kinshasa und sein UN-Botschafter Idzumbuir zeichneten das Bild einer internationalen Verschwörung: Die Hochfinanz in Brüssel, London und Madrid wolle den Kongo mit seinen Kupferminen unter ihre Botmäßigkeit bringen.

Einer, der vielleicht über die Hintergründe der jüngsten Kongounruhen Auskunft geben konnte, saß derweilen hinter algerischen Gittern: Moise Tschombé, einst Regierungschef des Kongo und Herr über zweitausend weiße Söldner, war auf dem Wege von Ibiza nach Palma entführt und nach Algerien geschafft worden. Über Sinn und Zweck dieser Entführung wird noch gerätselt. Tschombé hofft auf den französischen Staranwalt Maître Floriot, der ihn vor dem höchsten algerischen Gerichtshof herauspauken soll. Dieser muß über das Auslieferungsbegehren des Kongo befinden. Denn in Kinshasa wartet auf Tschombé der Henker. Vor drei Monaten hat ihn dort sein Nachfolger Mobutu zum Tode verurteilen lassen. Lakonisch bemerkte der „Observer“: „Vielleicht findet sich Tschombé in dem nächsten halben Jahr als Ministerpräsident auf kongolesischer Bühne wieder. Bei Tschombé weiß man nie.“ v. K.