Die amerikanische Atom-Energie-Behörde (AEC) hat allen Privatfirmen untersagt, ihre Forschungsarbeiten an der Gaszentrifuge fortzusetzen. Die Behörde bangt um die nationale Sicherheit: Die neue Methode, das spaltbare U-235 vom unspaltbaren U-238 zu trennen, ist gefährlich einfach und vor allen Dingen zu billig.

U-235 ist heute noch der grundlegende Brennstoff für Kernreaktoren, aber auch wichtigster Bestandteil der Atombombe. Die bekannte Methode, U-235 zu gewinnen – von allen Atommächten benutzt –, ist die Gas-Diffusion. Sie erfordert riesige Anlagen und entsprechende Ausgaben.

Damit verglichen kann die neue Methode ebenso genial wie billig sein. In der Gaszentrifuge werden die Isotopen (vorher in ein Gasgemisch verwandelt) mit extrem hohen Geschwindigkeiten voneinander getrennt. Das schwerere U-238 wird in der Zentrifuge nach außen gepreßt, das leichtere U-235 bleibt im Zentrum und kann ohne Schwierigkeiten abgeleitet werden.

Bisher ist es den Amerikanern allerdings noch nicht gelungen, wirtschaftliche Zentrifugen zu bauen. Die amerikanische Industrie hoffte jedoch, spätestens ab 1980 mit dem billigen U-235 Brennstoff versorgt zu werden. Aber nicht nur aus diesem Grund wird das neue Verbot der Behörde von der Industrie heftig angegriffen.

Zunächst sind nur vier Firmen direkt betroffen: General Electric, Allied Chemicals, W. R. Grace und Electro-Nucleonics. Diese Unternehmen wird das Verbot viel Geld kosten, denn eine Entschädigung für den bisherigen Forschungsaufwand will die Behörde nicht geben. Daneben fühlt sich die gesamte chemische Industrie benachteiligt: Das neue Verfahren scheint für die Trennung vieler schwieriger Chemikalien geeignet.

Die Gegner des Verbotes führen noch andere schwerwiegende Argumente ins Feld: Neben den Amerikanern arbeiten auch Engländer, Franzosen und Deutsche seit Jahren an dem Verfahren. Aus Japan weiß man, daß dort beachtliche Fortschritte bereits erprobt werden. Japan Atomic Fuel betrachtet in der Tat die kommerzielle Nutzung der Zentrifuge nurmehr als finanzielles Problem. Und schließlich sind da noch die Chinesen: Sie sollen bereits seit 1966 für ihre Bombe U-235 aus Zentrifugen gewinnen.

Folgern die Gegner: Wenn es tatsächlich nur Sorge um die nationale Sicherheit war, wenn es wirklich nur galt, die Welt vor weiteren Bombenherstellern zu bewahren, so hat sich die AEC um Jahre verspätet. rod.