Von Wolfram Siebeck

Die Frau, die Sie mögen, bringt Ihnen ein Geschenk mit, das Ihnen gar nicht gefällt. Wie verhalten Sie sich da?“ So lautete die erste von zweiundzwanzig Fragen, die „twen“ seinen männlichen Lesern stellt. Wer alle Fragen beantwortet, weiß schließlich, ob er zu jener Frau paßt, die ihm gleich zu Anfang die scheußliche Krawatte schenkte. Es versteht sich von selbst, daß er sich wie ein Trottel verhalten muß, um zu ihr zu passen. Also freut er sich über den Schlips (Antwort M) und geht mit ihr auf eine Party. Dort angekommen – und bei der dritten Frage – hat er sich erneut gegen seinen Instinkt zu entscheiden: Wie verhält er sich, wenn sie eine Geschichte erzählt, die er schon häufig von ihr gehört hat? (Wahrscheinlich beginnt sie mit der Pointe, verwechselt den Fahrer mit dem Kontrolleur und vergißt zu erwähnen, daß der Fahrgast ein Neger war, wodurch die Geschichte erst witzig wird.) Zwar gibt ihm der Test die Möglichkeit, unter einem Vorwand still in einen anderen Raum zu verschwinden; aber laut „twen“ macht ihn das zur Partnerschaft mit der schwadronierenden Dame völlig ungeeignet. Statt dessen muß er aushalten, wenn sie zum ungezählten Male die Pointe verpatzt, darf auch später bei Frage 6 nicht murren, wenn sie beide verreisen und sie seine Zahnbürste vergißt („twen“ meint, er habe sie vergessen; doch welcher Mann packt seine Zahnbürste selber ein?); und bei der 8. Frage muß er das dunkelblaue Kostüm schön finden, in dem sie aussieht wie ihre eigene Putzfrau. Bei der 11. Frage blamiert sie sich schon wieder in Gesellschaft (und man fragt sich, was er nach alledem an ihr noch finden mag), und auch das hat er langmütig zu übersehen. Denn die harten Nüsse kommen erst noch.

Bei der 13. Frage ist es ihm geglückt, sich in ein Eckchen zurückzuziehen und ein spannendes Buch zu lesen. Wie wir die Dame inzwischen kennengelernt haben, wundert es uns nicht, wenn „twen“ sie mit einer wichtigen Frage hereinplatzen läßt („Glaubst du, daß mir so ein Hut stehen würde, wie ihn Audrey Hepburn gestern trug?“, oder so was Ähnliches). Da er auch dabei die Ruhe bewahren muß, um ihr idealer Partner zu sein, kann man verstehen, daß er bei Frage 17 etwas nervös geworden ist und ihr in einem Gartenrestaurant ein Glas Bier über das Kleid schüttet. Hier gehen ihre zur Auswahl stehenden Reaktionen allerdings weit an der Wirklichkeit vorbei. „Das ist nicht so tragisch!“, soll sie fröhlich zwitschern, und im schlimmsten Fall verlangt sie nur, nach Hause gefahren zu werden. O nein – nach dem, was sie sich bei den Fragen vier, elf und dreizehn geleistet hat, halte ich es für sicher, daß sie ein zweites Bierglas ergreift und es ihm, schwapp, ins Gesicht schüttet.

Irgend so etwas muß denn auch, von „twen“ taktvoll verschwiegen, passiert sein; denn gleich in der nächsten Frage ist ihm so übel, daß er es jetzt ist, der nach Hause will. Nehmen wir an, sie verhält sich mustergültig und fährt mit: was stößt unserem Paar als nächstes zu? Sie haben –Frage 19 – bei strömenden Regen eine Autopanne. Er raus, mit den Lackschuhen in den Schlamm, und sie – nun, um das Testziel zu erreichen, springt sie hinterher und hilft ihm.

Und hier wird klar, warum er nicht schon bei Frage 11 das Weite gesucht hat. Denn wer möchte es verpassen, wie sie im strömenden Regen beim Radwechsel hilft? („Nein, Liebling, das ist ein Ersatzkeilriemen. Der Wagenheber sieht anders aus.“) Solch Zwischenspiel auf der Landstraße entschädigt ihn für vieles und rettet ihn wahrscheinlich davor, sie für die ideale Partnerin zu halten. Ihre Frisur löst sich auf, die Strümpfe werfen Laufmaschen, und nachdem sie das Rad dran haben, suchen sie noch zwanzig Minuten im Straßengraben nach ihrem Armband. Wenn das Auto trotz ihrer Hilfe wieder fährt, hat er verständlicherweise nur den einen Wunsch, sie so schnell wie möglich zum Bahnhof zu bringen. Aber so heftig er auch aufs Gaspedal tritt, die Frage 20 will es, daß sie nur noch die Schlußlichter des Zuges zu sehen kriegen. Vorsichtshalber wird im Test nicht danach gefragt, wie er reagiert, da er erkennt, daß er sie immer noch nicht los sein würde. So stehen die beiden, durchnäßt von Regen und Bier, auf dem zugigen Bahnsteig. Und es überrascht uns nicht, wenn in der 22. und letzten Frage festgestellt wird, daß er eine Grippe bekommt.

Wie nun reagiert die ideale Partnerin darauf? „twen“ bietet drei Schlußversionen an:

1. Sie macht ihm keine Vorwürfe, sondern pflegt ihn. (Wer – sie, die ihn nicht einmal einen Kriminalroman in Ruhe lesen läßt? Lachhaft.)