Als die damals noch weitgehend unbekannte Arbitrex AG für Arbitrage und Kapitalanlagen, Basel, im Jahre 1961 zwei Monate nach Errichtung der Berliner Mauer unter dem Motto „Berlin – das bist Du“ einen Investment-Fonds mit. ausschließlich Aktien Berliner Gesellschaften ins Leben rief und diese ungewöhnliche Initiative mit dem Hinweis begründete, der bedrängten Wirtschaft Berlins auf diese Weise helfen zu wollen, haben wir in der ZEIT davor gewarnt, Vermögensanlagen mit Patriotismus zu verknüpfen. Zur Empörung der Berlin-Fonds-Gründer haben wir darauf aufmerksam gemacht, daß der Berliner Wirtschaft schließlich nicht dadurch geholfen wird, daß Aktien ihren Besitzer wechseln.

Andere kritisierten den Berlin-Fonds, weil mit ihm das Investment-Prinzip der Risikostreuung in sein Gegenteil verkehrt wurde. In der Schweiz munkelte man schon damals, daß die Arbitrex den Zeitpunkt zur Gründung eines Berlin-Fonds nutzte, um 34 Prozent des Aktienkapitals der Berliner Maschinenbau-AG auf mehr oder weniger anständige Weise loszuwerden.

Nun, das ist Geschichte, meine verehrten Leser. Was aus dem inzwischen geschrumpften Berlin-Fonds noch wird, vermag heute niemand zu sagen. Denn in der vergangenen Woche wurde sowohl der Arbitrex als auch der dieser Gesellschaft nahestehenden Aeschenbank die Geschäftsbewilligung entzogen und der halbe Verwaltungsrat verhaftet.

Das schweizerische Investment-Geschäft ist um einen Skandal reicher. Diesmal haben ihn allerdings die Eidgenossen allein zu verantworten. Immerhin beginnt sich nunmehr das in der Schweiz erlassene Investment-Gesetz reinigend auszuwirken.

Betroffen von dem Fall Arbitrex sind die Fonds Europa-Chemie, Europa Special, Europa-Electric, Europa-Alimenta, Europa-Bank, Amerika-Special und Berlin 1961. Ihre Anteilscheine dürfen zur Zeit weder zurückgenommen noch neu ausgegeben werden. Die Eidgenössische Bankenkommission hat das Bankhaus A. Sarasin & Co zum Sachwalter ernannt.

Wir können davon ausgehen, meine verehrten Leser, daß deutsche Sparer von der Affäre Arbitrex nur im kleinen Umfang betroffen werden. Wenn ich dennoch näher auf diesen Fall eingehe, dann deshalb, weil er zeigt, wie verhängnisvoll das Fehlen einer ausreichenden Kontrolle sein kann und was alles möglich ist, wenn Fonds in solchen Ländern ins Leben gerufen werden, in denen sie ohne gesetzliche Einschränkungen wirtschaften können.

Die Gründung der Arbitrex war zunächst vielversprechend. Mit beträchtlichem Absatzerfolg rief sie die eingangs erwähnten Fonds ins Leben und kam damit zu einem gewissen internationalen Ansehen. Die Arbitrex-Leute nutzten die damalige Börsen-Hausse nach Kräften. Schließlich wollten sie sich aber nicht mehr mit der Tätigkeit einer reinen Broker-Firma zufriedengeben, sondern gründeten mit fünf Millionen Franken Kapital die Aeschenbank. Damit gerieten sie zwangsläufig in eine gewisse Frontstellung zum traditionellen Schweizer Bankgewerbe, die für den weiteren Absatz der Fondsanteile sicherlich nicht gerade belebend war.