Heute fliegen keine Moskitos mehr an der Languedoc-Roussillon-Küste. Noch vor drei Jahren war das Gebiet damit verseucht. Doch dann erklärte die französische Regierung den Moskitos den Krieg, 1963, als der Entschluß heranreifte, diese ungenutzte Region in eine zweite Côte d’Azur zu verwandeln. Die Bekämpfung der Moskitos kostete 73 Millionen Francs (rund 60 Millionen Mark).

Zwischen Montpellier und Perpignan sollen in den nächsten Jahren sechs neue Städte und zwölf Yachthäfen mit etwa 50 000 Anlegeplätzen gebaut werden. Eine Autobahn wird die Feriendörfer miteinander verbinden und zugleich im Sommer die Straßen nach Spanien entlasten.

Im Languedoc-Roussillon verbringen heute schon jährlich 650 000 Touristen ihre Ferien. Fast jeder zweite schläft im Zelt. 1965 sind etwa 50 Prozent aller Franzosen in Urlaub gefahren. 1970 werden es voraussichtlich 60 Prozent sein.

Sie alle sehnen sich nach Wasser, Sonne und Strand. Aber Frankreich hat für seine Großstädter nur die Côte d’Azur, einige Orte am Atlantik und an der bretonischen Felsenküste. In einigen Feriendörfern am Meer beschwor die Sommerinvasion schon Katastrophen herauf.

Es gibt nicht genug Betten. Das Leben im Hotel ist zu teuer. Ein Sommerappartement ist für viele unerschwinglich. In Carnon oder in Palavas kostet im Sommer eine einfache Dreizimmerwohnung am Strand zwischen 800 und 1500 Francs (640 bis 1200 Mark). Ein Urlauber auf einem Campingplatz verbraucht insgesamt pro Tag 24 Francs (rund 20 Mark) und zehn Francs (etwa acht Mark), wenn das Zelt irgendwo in der Landschaft aufgeschlagen wird.

Gerade für diese Urlauber ist die zweite Côte d’Azur bestimmt. Doch die französische Regierung möchte mehr bieten als Sonne, Strand und Wasser. 1963 wurde eine Kommission zur Gestaltung dieser 180 Kilometer langen Küste ernannt.

Das Projekt verschlingt Riesensummen, 200 Millionen Mark für Straßenbau, Wasserversorgung und Kanalisation, Yachthäfen und Aufforstung. Der Plan: in 15 Jahren 250 000 Betten. Gesamtinvestition: 280 Millionen Mark.