Bis Sonnabend sollen die Manager der großen Mineralölkonzerne dem Bundeskartellamt in Berlin erklären, auf welchen Kalkulationen die jüngsten Benzinpreiserhöhungen basieren. Die Berliner Wettbewerbshüter zweifeln zwar nicht daran, daß die Kosten wegen der Nahost-Krise gestiegen sind; sie möchten jedoch gern wissen, ob eine Abstimmung über die Preiserhöhungen stattgefunden hat.

Ein gewisses Wundern herrscht vor allem darüber, daß die Deutsche Shell AG ihre Benzinpreise bisher nur um 3,5 Pfennig erhöht hat, während alle anderen großen Anbieter 4 Pfennig aufgeschlagen haben. Aus der Branche ist zu diesem Unterschied zu hören, daß die Shell durch frühzeitige Tankerdispositionen weniger hohe zusätzliche Frachtbelastungen zu tragen hat als die anderen Gesellschaften.

Im Kartellamt zweifelt man im übrigen nicht daran, daß die Ölgesellschaften den Nachweis höherer Kosten im Umfang der Preissteigerungen belegen können. Es geht deshalb wohl kaum darum, ein Mißbrauchsverfahren einzuleiten. Vielmehr nutzt man ganz offensichtlich die Gelegenheit, um der Mineralölindustrie zu zeigen, daß sie „unter Beobachtung steht.“

Die jüngsten Preiserhöhungen sind es nicht allein, die das Kartellamt beschäftigen. So läuft seit längerer Zeit eine Untersuchung über die Preisspanne zwischen Normal- und Superbenzin, die in der Bundesrepublik mit sieben Pfennig ungewöhnlich hoch ist. Bisher ist nicht klar zu erkennen, wie dem mit den Paragraphen des Kartellgesetzes beizukommen wäre.

Einen Pluspunkt hat man in Berlin indessen schon verbucht: Die Verringerung der regionalen Preisunterschiede beim Kraftstoff führt man auf eine Intervention des Kartellamtes zurück.

hgk.