Bei seinem ersten Auftrag als City-Reporter einer großen New Yorker Zeitung gab es Krach wegen der Spesen. Charles Haimoff sollte ein Photo eines soeben gestorbenen Prominenten besorgen und wollte sich für die Fahrt eines Taxis bedienen. Sein Chef hatte dagegen etwas – Haimoff fuhr mit dem Bus. Heute macht er seine Reisen mit dem eigenen Flugzeug. Aus dem Reporter mit ein paar Dollar Wochensalär ist ein erfolgreicher Industrieller geworden – dank Okasa.

Nicht etwa, daß Haimoff Großkonsument dieses geheimnis- und gerüchteumwitterten Stärkungsmittels wäre, nein, er stellt es her. Charles Haimoff ist Inhaber der Hormopharma KG., Berlin, die neben ihrem Hauptprodukt Okasa – Silber für den Mann, Gold für die Frau – eine Reihe weiterer rezeptfreier pharmazeutischer Produkte auf den Markt bringt. Und er ist damit Chef einer weitverzweigten Unternehmensgruppe mit Gesellschaften in der Schweiz, Belgien, Frankreich, England, Italien, Indien und Argentinien. Die Produkte der Gruppe werden schließlich in 40 weitere Länder exportiert – Okasa ist eine Weltmarke.

Geleitet wird die Gruppe „von unterwegs“. Denn Charles Haimoff hat – wie er nicht ohne Stolz mitteilt – kein Büro. Er ist dauernd auf Reisen und bezeichnet den internationalen Selbstwählverkehr als eine der segensreichsten Einrichtungen unseres Jahrhunderts. „Von jedem Hotelzimmer aus“, so sinniert er, „kann ich in Minutenschnelle meine wichtigsten Niederlassungen erreichen.“ Und das genügt ihm vollauf. Seine Mitarbeiter im Hauptwerk Berlin sehen ihn nur höchst selten.

Er bekennt offen, daß ihn die Produktion nur wenig interessiert. „Soll ich mich denn aufregen“, so fragt er, „wenn ein Lieferant von Verpackungsdosen mit seinen Lieferungen in Verzug gerät, weil eine seiner Maschinen nicht mehr mitmacht? Ändern kann ich daran doch nichts.“ Oder: „Was habe ich davon, wenn ich die Verkaufsstatistiken täglich lese und mir über kurzfristige Schwankungen – die vom Wetter abhängen können, weil die Leute beispielsweise bei Regen ungern auf die Straße gehen – Gedanken mache.“

So entsteht in den ersten Minuten des Gesprächs der Eindruck, als interessiere Haimoff sein Geschäft nur am Rande. Und er unterstreicht diesen Eindruck noch mit der Bemerkung, daß er sich um die Details seines Geschäfts nicht kümmere. Aber dann brilliert er förmlich mit einer detaillierten Kenntnis internationalen Heilmittelrechts, mit einem profunden Wissen über untergründige Einflüsse auf den Gesetzgebungsapparat der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, mit einer präzisen Darstellung des Zulassungsverfahrens für neue Heilmittel in Frankreich.

Da merkt man plötzlich, daß der Sohn eines bulgarischen Offiziers und einer Deutschen nur für einen Teil seines Geschäfts wenig Interesse zeigt, für einen anderen dagegen um so mehr. Neue Märkte erschließen, Werbekonzeptionen austüfteln – ein wenig altmodisch spricht er noch von „Reklame“ –, verhandeln mit Verbänden und Behörden – das ist sein Metier. Das andere, die Produktion, der Vertrieb, das hat ihn nur in den Jahren des Wiederaufbaus interessiert. 1948 hat er damit begonnen, das Geschäft des Vaters wiederaufzubauen – mit einer alten Sekretärin in der Berliner Kochstraße.

Was ihm geblieben war, war der Name Okasa. Und damit der Name eines Erzeugnisses mit einem unwahrscheinlich hohen Bekanntheitsgrad. Vater Haimoff hatte diesen Namen geschaffen und bekanntgemacht. Zu ihm kam in den zwanziger Jahren ein Apotheker mit der Formel für ein Stärkungsmittel, dem das Geld für die Produktion fehlte. Vater Haimoff hatte zwar – so sein Sohn – keinen richtigen Beruf, aber Geld. Und gemeinsam ging man daran, Okasa zu produzieren und zu verkaufen. Das Präparat enthielt den Wirkstoff Yohimbin, der aus der Rinde eines afrikanischen Baumes gewonnen wird. Yohimbin wirkt gefäßerweiternd – Okasa war damals eindeutig ein Präparat zur Stärkung der männlichen Potenz.