Die südkoreanische Botschaft mutet der deutschen Öffentlichkeit und der Bundesregierung viel zu. Die Botschaft erklärt offiziell, die sechzehn verschwundenen Koreaner seien freiwillig nach Korea zurückgekehrt, um sich dort vor den zuständigen Gerichten wegen Spionageverdachts zu verantworten. Wenn das keine Legende ist! Verkündete die Ostberliner Regierung, sechzehn DDR-Bürger, wegen Spionageverdacht gesucht, seien freiwillig zurückgekehrt, um sich den Gerichten zu stellen – Regierung und Bundestag hätten nicht gezögert, ihrer Entrüstung öffentlich Ausdruck zu geben.

Der südkoreanische Geheimdienstchef Hyunguk hat inzwischen die diplomatischen Vertreter seines Landes Lügen gestraft: Er gab in Seoul vor der Presse zu, einige der Südkoreaner seien vom Geheimdienst zur Heimreise gezwungen worden. Mehr an Gewißheit können auch die Ermittlungen des Bundeskriminalamtes nicht ergeben.

Wenn das Ansehen der Bundesrepublik nicht noch mehr Schaden leiden soll, muß die Regierung sich jetzt zu drastischen Schritten entschließen. Ein Botschafter, der den Menschenraub durch Geheimdienstleute deckt, ist in einem demokratischen Land persona non grata. Man sollte ihm die Abreise nahelegen – notfalls freiwillig.

R. Z.