Horst Mönnich (Herausgeber): Wiederbegegnung mit Deutschland. Deutschlands Mitte, Deutschlands Osten. Verlag Mensch und Arbeit München; 240 Seiten, 29,80 DM.

Horst Mönnich nennt dieses Buch „Wiederbegegnung“. Er meint damit wohl die seelische Anstrengung des Hinschauens, der Auseinandersetzung mit dem Vergangenen, Veränderten und Verlorenen. Diese Wiederbegegnung ist zum Teil eire Neubegegnung, da politische und wirtschaftliche Aktualität hier keineswegs vermieden wird. So enthält der Band als erstes Bild das bekannte Photo von der Flucht in der Bernauer Straße; ebenso werden Aufnahmen moderner Industrieanlagen Mitteldeutschlands gezeigt.

Der Herausgeber bemüht sich um eine lebendige Ganzheit der Darstellung, indem er das Wesentliche und Typische einer jeden Landschaft in allen Lebensbereichen aufzuspüren versucht. Die Beiträge umfassen Geschichte und Gegenwart; sie stammen aus der Dichtung, aus Chroniken, aus der modernen Presse. Ihre Qualität ist demgemäß höchst unterschiedlich. Ebenso vielseitig setzen sich die Bilder aus mittelalterlichen Stichen, Gemälden verschiedener Jahrhunderte und modernen Pressephotos zusammen.

Häufig wird die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen, indem Texte aus verschiedenen Zeiten, die sich jedoch inhaltlich entsprechen, parallel nebeneinander gestellt werden. Hin und wieder wird ein Gedicht oder eine Prosastelle aus dem Bezug der Zeit gelöst und auf eine moderne Situation übertragen; so steht das berühmte Sonett von Andreas Gryphius „Tränen des Vaterlandes“, das im Dreißigjährigen Krieg geschrieben wurde, im Zusammenhang mit der Zerstörung Breslaus. Unter der Überschrift „Klage um Dresden“ sind auf einer Seite ein Beitrag von Gerhart Hauptmann (1945), eine Zeitungsnotiz (1965) und eine Stelle aus den Klageliedern Jeremias zusammengestellt. Auch Witze und Anekdoten enthält dieser Band, sofern sie die Mentalität der Bevölkerung eines bestimmten Landstriches verdeutlichen. U. v. K.