Die britische Kronkolonie Hongkong erlebte den bislang schwersten Zwischenfall: An der chinesischen Grenze im Vorort Schautaukuk stürmten am vorigen Wochenende 300 Chinesen einen Polizeiposten. Die Beamten wurden von chinesischem Gebiet aus unter Feuer genommen. Fünf Männer fielen. 500 Gurkha-Soldaten entsetzten die Grenzstation.

Es war das erstemal seit der japanischen Invasion von 1941, daß an der Hongkong-China-Grenze geschossen wurde. Und zum erstenmal seit dem „großen Exodus“ von 1962, als die chinesischen Grenzposten in 25 Tagen 70 000 Flüchtlinge nach Hongkong passieren ließen, mußte in der Kronkolonie das Militär ausrücken.

Während Peking und London die üblichen Proteste austauschten, gingen die blutigen Unruhen in verschiedenen Stadtteilen Hongkongs weiter, die mehrere Todesopfer forderten. Zu Beginn dieser Woche richteten sich die Anschläge der chinesischen Terroristen gegen die öffentlichen Verkehrsbetriebe der Stadt. Wieder gab es Tote und Verletzte, Busse und Straßenbahnen gingen in Flammen auf.

Nachdem ein großer Teil der Schaffner und Fahrer aus Angst vor weiteren Gewalttätigkeiten nicht zum Dienst erschienen war, verhängten die britischen Behörden am Dienstagabend ein Ausgehverbot und stellten den gesamten öffentlichen Verkehr ein.

Sorge macht immer noch die Wasserknappheit in Hongkong. Peking hat bis Ende Juni zwar die vereinbarte Menge von 50 625 Millionen Litern geliefert, sich aber bislang geweigert, noch weitere 8000 Millionen Liter abzugeben. Folge: Jeder Haushalt darf die Wasserleitung nur alle zwei Tage für vier Stunden anzapfen.