Von Alfred Müller-Armack

Es ist allgemein sichtbar geworden und wird auch von lange Widerstrebenden zugestanden, daß das erste Halbjahr 1967 kein Anzeichen einer Konjunkturbesserung brachte. Realistisch muß gesagt werden, daß diese Aussage auch für das zweite Halbjahr 1967 gilt. Das Jahr 1967 ist konjunkturpolitisch „gelaufen“.

Die Chancen für 1968: Sie werden unterschiedlich beurteilt. Die Vorstellung, irgendwelche psychologischen Verhaltensänderungen würden den Trend umkehren, dürfte abwegig sein. Entscheidend für den volkswirtschaftlichen Gesamtprozeß ist die Summe der von den Unternehmungen getätigten Investitionen und der von ihnen induzierte Einkommenskreislauf.

Die Investitionen werden angesichts der überwiegenden Verlustsituation der Betriebe, nachdem die vertraglich festgelegten Investitionspläne abgelaufen sind, mit hohen Prozentziffern reduziert werden. Auch der Bericht des Ifo-Institutes vom 16. Juni 1967 kommt für die ganze Breite der Unternehmungswirtschaft zu dieser Feststellung. Bevor eine höhere Auslastung der vorhandenen Kapazitäten nicht erreicht ist und bevor in den entscheidenden Bereichen das Ungleichgewicht zwischen Erlösen und Kosten infolge der Starrheit der Löhne und der Schwäche der Märkte nicht wieder ausgeglichen ist, kann die Wirtschaftlichkeit der Unternehmungen nicht wiederhergestellt werden. Sie erfordert eine klare Gewinnlage, die erst einmal dem Ausgleich der erlittenen Verluste dient. So wird die Konjunktur in einem kumulativen Prozeß der Investitionsrückgänge weiter nach unten gehen.

Statt sich von Monat zu Monat zu vertrösten, ist es nötig, diese Lage klar anzusprechen. Sie stellt sich wie folgt dar: Die eigentliche Stagnation und Krise wird erst im Jahr 1968 eintreten. Von der Erreichung der Talsohle kann vorerst überhaupt nicht die Rede sein. Diese gefährliche Entwicklung wird durch zwei Faktoren belastet:

  • das gegenwärtig in seinen Konsequenzen nicht überschaubare Experiment mit der Einführung der Mehrwertsteuer;
  • die Krise in den öffentlichen Haushalten, die für die nächsten vier Jahre gewaltige Defizite aufweisen, die zu restriktiven Maßnahmen nötigen, welche jeden konjunkturellen Impuls wieder aufsaugen.

Dieser Entwicklung ist mit einem ersten und zweiten Ergänzungshaushalt der gleichen Größenordnung nicht beizukommen.