Von Werner Koch

Sind Sie „mutlos und verzweifelt“ Suchen SieTrost auf Seite 16. Können Sie „nicht mehr beten“? Holen Sie sich Rat auf Seite 40. Haben Sie „Angst vor Katastrophen“? Unser Tip auf Seite 45 hilft Ihnen. Sind Sie „eine Prostituierte, die bereut“? Nur keine Angst, schlagen Sie nach auf Seite 47.

Dieses einmalige Sonderangebot macht Ihnen nicht irgendwer. Weder Frau Irene noch Tante Klara, weder Lebensberater Brand noch der weiße Riese stehen Ihnen hier mit ihrem allzu menschlichen Rat zu Diensten, nein: auf Seite 4 dieser „Tourismus-Sonderausgabe“, deren Verbreitung „ein Kreis von katholischen und evangelischen Christen übernimmt“ und die von der „action 365“ 1966 herausgegeben wurde, erfahren Sie, wer Ihnen jede gewünschte Auskunft in allen Lebenslagen gibt.

„Der Mensch von heute soll... zur echten religiösen Initialzündung finden, damit er das Evangelium in die Tat umsetzt und – Gott so eine Antwort gibt“ (S. 4). Und wer zündet initial? Wer bietet sich an als Sprachrohr Gottes? Er muß es sein: unser Pater Leppich S. J.

Unser Pater Leppich S. J., der immer schon mehr Grau raus als Weiß rein zwang, kam auf den vermutlichen Evergreen, das Evangelium des Markus dreisprachig in die Nachttischschubladen stubenreiner europäischer Hotels zu legen, und da der heilige Markus unsere ebenso meinungsbildende wie konzertante Gesellschaft offensichtlich unterschätzt hat, gibt unser Pater Leppich zu jedem Kapitel einen zwar mäßigen, aber regelmäßigen Kommentar.

Wo Markus in stiller Einfalt und in edler Größe verkündete: „Und eine Stimme kam vom Himmel: ‚Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen‘“ (1,11), interpretiert der weiße Wirbelwind Leppich: „Weder die Spöttereien moderner Atheisten noch kommunistische Gewaltherrschaft können das Kommen Jesu verhindern. Wir modernen Diesseits-Bürger sollten uns deshalb jeden Tag mit der Ewigkeit konfrontieren“ (S. 5).

Wo Markus betete: „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr denn keinen Glauben?“ (4,40), da textet der Pater Leppich hinzu: „Christus hat den Sturm der Französischen Revolution und den Nazismus gebändigt. Er ist der Herr der Geschichte. Haben Sie keine Angst! Seine Kirche wird auch der ‚Rote Sturm‘ nicht vernichten“ (S. 16).