Von Kurt Wendt

Auf der Hauptversammlung des Volkswagenwerks war man – wie immer – mit der Kritik an der Verwaltung nicht zimperlich, obgleich es nur wenige deutsche Unternehmen gibt, die von sich behaupten können, etwa 63 Mark je Aktie (auf das alte Kapital verdient zu haben.

Dieser Gewinn wäre nicht möglich gewesen, wenn die Verwaltung des Volkswagenwerkes in der Vergangenheit nicht ihre Linie konsequent verfolgt hätte, die Chancen des Marktes voll auszunutzen. Wer aber seine Möglichkeiten im Markt jederzeit voll ausnutzen will, muß auch über die dafür notwendigen Kapazitäten verfügen, muß sie notfalls in Reserve haben. Das bedeutet jedoch, daß die Rentabilitätsschwelle unterhalb der 100prozentigen Kapazitätsausnutzung liegen muß.

Prof. Nordhoff hat mehrfach darauf hingewiesen, daß dies beim Volkswagenwerk der Fall ist. Allerdings fehlen Angaben darüber, wo diese Schwelle exakt liegt. In dieser Hinsicht wird es mehr Klarheit geben, wenn das Jahr 1967 abgelaufen ist.

Das Volkswagenwerk, so sagte Prof. Nordhoff kürzlich, ist auf eine Tageskapazität von 5000 Wagen eingerichtet, 6500 Wagen wurden durch Überstunden geschafft. Aber diese Zeiten sind vorüber. Heute liegt die durchschnittliche Tagesproduktion bei 5500 Wagen. Doch was sagt das, wenn in nächster Zeit ein Teil der Belegschaft wieder Kurzarbeit machen muß? Bei der Rechnung mit Kapazitäten geht es ähnlich wie beim Gewinn je Aktie: Einen einheitlichen Maßstab gibt es nicht – und deshalb sind Vergleiche stets problematisch.

Ausschlaggebend für den Erfolg einer Unternehmenspolitik ist letztlich der nachhaltig erzielte Gewinn. "Das Volkswagenwerk wird 1967 mit recht gutem Gewinn arbeiten. Wir sind zuversichtlich, auch im zweiten Halbjahr mit gutem Erfolg arbeiten zu können", beruhigte Dr. Kurt Lotz, der neue stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

In der Kritik einiger VW-Aktionäre klang ein Lob für den Vorstand der Daimler Benz AG, Stuttgart, an, der es verstanden hätte, eine so maßvolle Kapazitätspolitik im Personenkraftwagenbereich so treiben, daß die Wagen "mit dem guten Stern" immer noch Lieferfristen hätten. Allerdings, das wurde auch angemerkt, auf dem Sektor des Lastkraftwagenbaues hätte man auch bei Daimler "einen Fehltritt" mit dem Bau des Lkw-Werks in Wörth (bei Karlsruhe) begangen, wo nun auch eine "Streckung der Produktion" notwendig sei.