Es ist ein Mini-Wirtschaftswunder: daß ein wichtiger Wirtschaftszweig die neue Mehrwertsteuer mit angenehmen Erwartungen kommen sieht. Der Präsident der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels, Joseph Illerhaus, überraschte mit der optimistischen Prognose, mit Hilfe der neuen Steuer könnte bei manchen Waren ein Druck auf die Preise erwartet werden.

Von dieser „freundlichen Vision“ will sich Franz Effer, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Einzelhandelsverbandes, zwar nicht distanzieren; er möchte diese ermutigende Äußerung nur auf doppelte Weise relativieren: Produktion und Großhandel dürften die Mehrwertsteuer nicht zum Anlaß für Preiserhöhungen nehmen, und diese neue Steuerart müßte – wie ursprünglich beschlossen und verkündet – auf zehn Prozent beschränkt bleiben.

„Der schlichte Geldverdiener, Steuerzahler und Endverbraucher muß es als Sensation empfinden, Herr Effer, daß ein Wirtschaftsverband eine Preisreduzierung im Zusammenhang mit einer Änderung des Steuersystems überhaupt für möglich hält.“

„Diese Möglichkeit ist in der Tat gegeben. Sie ergibt sich jedoch nicht nur aus der Einführung der Mehrwertsteuer; die Intensivierung des Wettbewerbs fördert die Entwicklung zu niedrigeren Preisen. Mehrwertsteuer plus Wettbewerbsverschärfung gleich Preissenkung. Wenn der Einzelhandel sich zu dieser Möglichkeit bekennt, möchte er damit zugleich ein Beispiel geben und eine Warnung aussprechen: ein Beispiel für die gesamte Wirtschaft und eine Warnung an den Gesetzgeber, es bei zehn Prozent Mehrwertsteuer zu belassen.“

„Wenn aber diese Steuer nun, wie es offenbar vorgesehen ist, bald erhöht werden soll...“

„... würde uns das auch nicht schrecken ...“

„... wie bitte ...“