Nur sechzehn Kilometer vom Amüsierbetrieb des New Yorker Broadways entfernt herrschte Bürgerkrieg: In der Innenstadt von Newark (400 300 Einwohner) ereignete sich der schwerste Negeraufstand der USA seit 1965. Bilanz der fünftägigen Straßenschlacht: 25 Tote (23 Farbige und 2 Weiße), 1100 Verletzte, 1300 Verhaftete, 20 Millionen Mark Sachschaden.

Banden zumeist jugendlicher Neger zogen durch das weiße Geschäftsviertel von Newark, zündeten Häuser an, plünderten Geschäfte, verprügelten Weiße – und nahmen Polizei, Feuerwehr und Sanitäter von den Dächern aus unter gezieltes Feuer. Der Gouverneur von New Jersey, Richard Hughes, schickte Staatspolizei und Nationalgarde. Zuletzt kämpften 7000 Soldaten und Polizisten gegen die rebellierenden Neger – mit Panzerwagen und automatischen Waffen.

Der Farbigenaufruhr, der auch auf Nachbarorte übergriff, wir ein Aufstand gegen ein trostloses Gettodasein. Newark ist – nach Washington – die Stadt mit den meisten Farbigen im amerikanischen Norden. Seit 1950 hat sich ihr Anteil an der städtischen Gesamtbevölkerung von 17 auf etwa 60 Prozent erhöht. Im gleichen Ausmaß verwahrloste das Negerviertel, nahmen Arbeitslosigkeit und Armut unter den Farbigei zu. Rechtsanwalt Lofton, der diese Zustände bekämpft: „Wir haben miese Wohnungen, noch miesere Arbeitsplätze und die miesesten Schulen.“

An dieser Atmosphäre tiefer Hoffnungslosigkeit hatten sich bislang alle Rassenunruhen der USA entzündet. Seit dem gewaltigen Aufruhr von 1965, der im Farbigenviertel Watts von Los Angeles 35 Tote gefordert hatte, war es zu etwa 40 Aufständen gekommen – zuletzt in den Städten Cleveland, Buffalo, Boston, Tampa und Cincinnati.

Noch nie aber hatten Neger die City einer amerikanischen Großstadt angegriffen und ein Zentrum der weißen Geschäftswelt verwüstet. Noch nie waren bei Rassenunruhen derart planmäßig Methoden des Guerillakrieges angewandt worden wie jetzt in Newark.

Dieser Wandel in Ausmaß und Taktik des Rassenkampfes kam freilich nicht überraschend: Seit einiger Zeit verlieren die gemäßigten Negerführer wie Martin Luther King, Bayard Rustin, Roy Wilkins und Withney Young an Boden gegenüber den Ideologen der „Black Power“ vom Schlage eines Stokeley Carmichael, Floyd McKissick und Nathan Hare.

Jene suchen den Anschluß an die weiße Bürgerrechtsbewegung. Mit ihr zusammen wollen sie die Rechte der amerikanischen Neger durch Evolution und im Rahmen demokratischer Spielregeln erweitern. Die Aktivisten der „Black-Power“ dagegen kappen die Verbindungen zu ihren weißen Mitkämpfern – wie jüngst auf dem Nationalkonvent des „Kongresses für Rassengleichheit“ (CORE) geschehen. CORE-Führer McKissick Anfang Juli: „Die Bürgerrechtsbewegung ist tot. Es lebe die schwarze Revolution!“