Letzter Schrei auf dem Gebiet der Wissenschaftvon der Bürokratie ist das "Peter-Prinzip". Es bietet noch umfassendere und schärfere Einblicke in die Verwaltungsmaschinerie, als es Parkinsons ironisch-ernsthaftes Gesetz ermöglichte. Die neue Theorie über den Bürokratismus wurde von Dr. Laurence J. Peter, Professor an der Universität von Südkalifornien, aufgestellt.

Das Peter-Prinzip besagt: daß in jeder Hierarchie, ob Konzernleitung oder Ministerium, jeder Mitarbeiter bestrebt sei, sein "Niveau der Inkompetenz" zu erreichen. Prof. Peter führt dazu aus: Jede Person erlangt im Verlaufe ihrer Karriere eine Position, für die sie nicht kompetent ist. Auf die Dauer wird also jeder Posten mit einer Person besetzt, die dazu nicht qualifiziert ist. Von der so erreichten Stellung ist zwar keine weitere Beförderung mehr möglich, aber auch eine Degradierung gibt es nicht – was bedeutet, daß ein Mensch für den Rest seines Lebens eine Stellung innehat, für die er inkompetent ist.

Kritiker Prof. Peters werfen hier ein, daß seine Theorie den kleinen Angestellten ein Mittel zur Belustigung über ihre Vorgesetzten in die Hände gäbe. Dies aber ist eine Fehlinterpretation. Es sei gewiß nicht so, entgegnet Prof. Peter, daß nur die Spitze einer Hierarchie inkompetent sei, sondern jede Stufe, auch die niedrigste, habe ihren eigenen Anteil an inkompetenten Mitarbeitern.

Den Einwand, daß erstaunlicherweise an der Spitze mancher Hierarchie bisweilen durchaus kompetente Leute stehen, erwidert Prof. Peter: Es gibt nicht genügend Abstufungen, um auch diesen Typ sein Inkompetenzniveau finden zu lassen. In der Regel jedoch, fügt er beruhigend hinzu, erlangt auch dieses Beispiel an Kompetenz seine Inkompetenz, wenn es nämlich von einer Bürokratie in eine andere überwechselt: vom Business in die Regierung, aus der Armee in die Industrie oder aus dem juristischen Bereich in die Politik.

Die Tatsache, daß unter solchen Aspekten überhaupt noch Arbeit geleistet wird, ist nach Prof. Peter auf einen so simplen wie sinnfälligen Grund zurückzuführen: Die eigentliche Arbeit wird von Leuten verrichtet, die noch nicht ihren endgültigen Rang in der Inkompetenzhierarchie erreicht haben.

Christine Brinck