Als im vergangenen Jahr die Minister der Regierung Erhard jeglicher Steuererhöhung feierlich abschworen und die Regierung der Großen Koalition eine Erhöhung der Einkommensowie Körperschaftssteuer noch als konjunkturell schädlich bezeichnete, waren die Skeptiker längst dazu übergegangen, festverzinsliche Wertpapiere zu erwerben, deren Zinsen steuerfrei vereinnahmt werden können. Es wurde auf einen „Wortbruch“ der Regierung spekuliert – und man tat, wie sich jetzt zeigte – recht daran.

Die Käufer solcher festverzinslicher Papiere sind der Meinung, daß die 3prozentige Ergänzungsabgabe noch längst nicht das letzte Wort ist, sondern daß die Regierung hier erst am Anfang steht. Um so wertvoller werden Papiere mit einem totalen Steuerprivileg. Fünfprozentige steuerfreie Pfandbriefe sind seit Mitte 1966 bis heute von 108 auf fast 120 Prozent gestiegen.

An den Käufen waren nicht nur die gutverdienenden Bankkunden, sondern auch die Sparkassen beteiligt, die sich auf eine höhere Besteuerung ihrer Erträge vorbereiten und die es sich bisher wegen ihrer Privilegien leisten konnten, auf diese Pfandbriefe zu verzichten.

Störend beim Erwerb dieser Papiere ist ohne Zweifel der über pari liegende Kurs, weil er – da die Pfandbriefe zu 100 Prozent zurückgezahlt werden – einen sicheren Rückzahlungsverlust in Aussicht stellt. Für Betriebsvermögen ist das indessen weniger gravierend, weil dieser Verlust zu Steuerersparnis führt, während Privatpersonen ihn voll selbst tragen müssen.

Für private Anleger empfiehlt man deshalb 3- oder 3 1/4prozentige Weltbank-Anleihen zu Kursen von 90 beziehungsweise 83 Prozent. Hier kassiert der Anleger nicht nur steuerfreie Zinsen, sondern ebenso steuerfrei den Tilgungsgewinn. Wenn sich viele Anleger an diese Papiere trotz der überdurchschnittlich hohen Rendite nicht herantrauen, dann liegt es an dem Dollar-Risiko. Zinsen und Kapital werden nämlich in Dollar gezahlt. Fachleute meinen indessen, daß das Abwertungsrisiko beim Dollar bereits in den Kursen zum Ausdruck gebracht worden ist. Wer darüber hinaus noch etwas tun will, könnte sich durch ein Devisentermingeschäft absichern. Die Kosten dafür sind im Hinblick auf die gute Verzinsung vertretbar.

Mit Währungsabsicherung beträgt die Nettorendite der 3prozentigen Weltbank-Anleihe 4 1/2 Prozent. Die Bruttorendite macht bei einer 50prozentigen Steuerbelastung 9 Prozent, bei einer 60prozentigen Steuerbelastung sogar 11,25 Prozent aus. K.W.