Von Martin Gregor-Dellin

Nach dem Tode Wieland Wagners haben Gerüchte und öffentliche Kontroversen zwischen Mitgliedern der Wagner-Familie sowie Darstellern zu zahlreichen Spekulationen über die Zukunft Bayreuths Anlaß gegeben. Martin Gregor-Dellin sprach kurz vor Beginn der Festspiele mit dem Hausherrn Wolfgang Wagner.

GREGOR-DELLIN: Bayreuths siebzehntes Festspieljahr nach dem Krieg ist überschattet durch den Tod Ihres Bruders Wieland Wagner. Gab es ausreichende Vorkehrungen, die den ungestörten Weiterbestand der Festspiele sichern?

WOLFGANG WAGNER: Mein Bruder und ich waren uns seit langem darüber im klaren, daß wir für einen Unglücks- oder Todesfall vertragliche Abmachungen treffen mußten. 1962 wurden die juristischen Voraussetzungen geschaffen, so daß in der augenblicklichen Rechtsform die Kontinuität des Festspielbetriebes gewährleistet ist.

GD: Ihre „Lohengrin“-Inszenierung für 1967 war bereits vor der Erkrankung Ihres Bruders beschlossen. Nunmehr tragen Sie jedoch die alleinige Verantwortung für die Leitung der Festspiele. Wie gelingt es Ihnen, bei dem Andrang technischer und organisatorischer Probleme noch Zeit für Ihre eigentlichen künstlerischen Aufgaben zu gewinnen?

WOLFGANG WAGNER: Eine Inszenierung ist für mich fertig, wenn die Probenzeit mit den Vorbereitungen der Festspiele beginnt. Wenn alles straff organisiert ist, so kann man mit einer vorausbestimmten Mannschaft innerhalb von zwei bis drei Monaten alles bewerkstelligen – vorausgesetzt, daß keine Partie falsch besetzt ist, und darin haben wir ja einige Übung. Im übrigen wirkt sich die Kenntnis technischer Details eher zeitraffend aus und ermöglicht vor allem eine genaue Beurteilung des Zeitablaufs während der Proben.

GD: Werden Sie – bei der doppelten Belastung durch Organisation und Regie – auf beiden Gebieten nach Unterstützung und Entlastung Umschau halten?