Der Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, Professor Harald von Petrikovits, konnte den Bundespräsidenten, Exzellenzen und eine Magnifizenz begrüßen, als das neue Haus des im Krieg zerstörten Museumsgebäudes in der Colmantstraße am Dienstag eröffnet wurde: Das Rheinische Landesmuseum genießt Ansehen und hat Tradition. Gegründet wurde es schon im Jahr 1820 – zwei Jahre nach der rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität – als „Museum vaterländischer Altertümer“ in Bonn. Daraus entstand in fast hundertfünfzig Jahren eine repräsentative Zeugnissammlung des Zivilisationsstandes im Rheinland, die Eiszeit eingeschlossen: Denn in dem für 10,5 Millionen Mark errichteten anspruchsvoll-praktischen Neubau ist nun endlich auch eine weltbekannte Trophäe des Museums und der Menschheitsgeschichte leibhaftig zu betrachten – das Original des Neandertalers. Wenn sechzigtausend Jahre Geschichte von ihm auch nicht mehr übrigließen als seine Schädelkalotte – für einen kleinen Andachtsschauer vor der Vitrine reicht es noch aus. Aus, dem Tresor wurde jetzt auch ein zweites berühmtes Objekt geholt, das in jeder „Ars Latina“ abgebildet ist: der Grabstein des römischen Hauptmanns Marcus Caelius, gefallen in hello variano – das einzige steinerne Beweismittel für die Varusschlacht.

Ein Museum mit ähnlicher Thematik gibt es noch in Trier, aber Bonn hat die umfassendste Schau und die größten Bestände aus rheinischer Vergangenheit zu bieten. Die großzügigen finanziellen Leistungen des Landes Nordrhein-Westfalen sind der eine Grund dafür, der andere: in der Hand des Museumsdirektors liegt zugleich die rheinische „Bodendenkmalspflege“, das heißt, seiner archäologischen Fürsorge ist anvertraut, was unter der Erde liegt. Unter Einsatz aller erreichbaren Geldmittel gruben er und seine Mitarbeiter systematisch eine römische Denkmalssammlung zusammen, die als die größte nördlich von Italien gilt und den Grundstock des Museums ausmacht.

Nina Grunenberg