Unter den Aktienbesitzern herrscht zur Zeit eine bemerkenswerte Unruhe. Zu Recht, meine verehrten Leser, denn niemand vermag heute abzuschätzen, wie sich die „Neue Wirtschaftspolitik“ auf die Kurse der Effekten auswirken wird. Es ist zu bezweifeln, daß eine Bundesregierung der Großen Koalition es zulassen wird, daß die Aktionäre die sich abzeichnende und angestrebte Konjunkturbelebung auch in vollen Zügen genießen können. Die geplante Ergänzungsabgabe zu den Ertrag- und Einkommensteuern (für höhere Einkommen) zeigt deutlich, wohin künftig die Reise gehen wird. Ein Finanzminister, der die heute gemachten Schulden zurückzahlen will, kann dies nur mit Steuererhöhungen. Es ist ein schwacher Trost, wenn darauf hingewiesen wird, daß sie mit steigenden Gewinnen auch tragbarer werden.

Kann man unter diesen Umständen noch deutsche Aktien kaufen? Der in Wiesbaden erscheinende „Investment Index“, der stets sehr prononciert seine Meinung äußert, hat erhebliche Bedenken. Er meint, daß die Zukunft des Aktienanlegers in den USA und in Japan liegt.

Etwas gemäßigter ist die Ansicht des Bankhauses C. G. Trinkaus in Düsseldorf: „Obwohl ich den deutschen Aktien gute Chancen für einen Kursanstieg in absehbarer Zeit einräume, halte ich einen Auslandsanteil am Gesamtdepot von gut einem Viertel für eine ausgewogene Relation.“ Trinkaus rät seiner Kundschaft zu folgender Streuung: 25 Prozent ausländische Aktien, etwa 50 bis 60 Prozent deutsche Aktien und 15 bis 20 Prozent in Rentenwerten und in Bankguthaben. „Die flüssigen Mittel sollten zum Kauf deutscher Aktien in den nächsten Monaten bereitgehalten werden.“

Tatsächlich liegt eine durchgreifende Kurserholung an der deutschen Börse im Bereich der Möglichkeiten; Termin noch unbestimmt. Er hängt davon ab, wie schnell die Wirtschaft wieder in Gang kommt. Das kann unter Umständen noch bis zum nächsten Frühjahr dauern.

Es muß davon ausgegangen werden, daß der Aktienmarkt von den festverzinslichen Papieren keine nennenswerten Anregungen mehr erhält, denn angesichts der hohen Kapitalanforderungen wird der Rentenmarktzins für einige Zeit bei 6 1/2 Prozent (und etwas darüber) zementiert sein. Alle Hoffnungen der Aktienbesitzer müssen sich also auf eine Verbesserung der geschrumpften Gewinne stützen, die 1967 noch rückläufig sein werden.

Soweit zur allgemeinen Lage. Nun zu der Frage: Welche Aktien darf man haben und welche soll man kaufen? Trinkaus stellt seiner Kundschaft ein Musterdepot vor, dessen Kurswert 100 000 Mark beträgt. Dabei sind die Anlageberater davon ausgegangen, daß für die deutsche Wirtschaft zum Jahresende eine Belebung möglich ist, die sich dann im ersten Jahresdrittel verbreitern und kräftig beschleunigen wird. Der Konjunkturaufschwung, das liegt auf der Hand, wird 1968 voraussichtlich in der Hauptsache von der Bau- und Investitionsgüterindustrie getragen sein. Auch langlebige Gebrauchsgüter – vor allem Autos – dürften zu den Bereichen mit Konjunkturimpulsen zählen. Der Export, so meint man bei Trinkaus, wird wenig zu der konjunkturellen Belebung beitragen können. Dem ist hinzuzufügen, daß der Export für manche Unternehmen heute nur ein „Notbehelf“ ist, um über die Runden zu kommen. Die Erträge daraus sind – wenn überhaupt welche anfallen – meist recht mager.

Sechs Zehntel des Musterdepots entfallen auf zyklische Branchen und Gesellschaften. Die restlichen vier Zehntel haben entweder eine starke Eigentendenz oder sind von der Geschäftsgrundlage her gegen zyklisch bedingte Schwankungen weniger anfällig. Dieser Teil des Depots dient der Stabilisierung, falls die konjunkturellen Aussichten zwischenzeitlich pessimistischer gesehen werden sollten und beim zyklischen Teil Rückschläge eintreten.