Über eine kuriose Zufallsentdeckung berichten drei amerikanische Wissenschaftler in der Zeitschrift „The Physical Review“ (9. Juni): In einem schwachen Magnetfeld versetzen Gasmoleküle einen nichtmagnetischen, an einem Faden vertikal aufgehängten Stab in eine Drehbewegung um die Längsachse, wobei die Drehrichtung von der chemischen Natur des Gases abhängt.

Gifford G. Scott und Harry W. Sturner vom Forschungslabor der General Motors in Warren (Michigan) und Dr. Robert M. Williamson von der Oakland Universität in Rochester (Michigan) hatten im Magnet-Laboratorium der Oakland Universität ein Experiment vorbereitet, bei dem ein 20 Zentimeter langer Messingstab von zwei Zentimeter Durchmesser an einem Ende mit einem Faden aufgehängt als Torsionspendel dienen sollte. Das Pendel befand sich in einem Gefäß, in dem der Luftdruck auf einige tausendstel Atü reduziert worden war. Zu der Versuchsanordnung gehörte auch ein Elektromagnet, der ein schwaches Magnetfeld lieferte.

Als die Wissenschaftler den Magneten einschalteten, stellten sie zu ihrer Überraschung fest, daß sich der Stab ein wenig drehte. Sie wiederholten daraufhin dieses ursprünglich nicht beabsichtigte Experiment und veränderten dabei den Gasdruck, die Richtung der magnetischen Feldlinien und die Feldstärke. Dabei ergab sich, daß der Ausschlag des Torsionspendels am stärksten war, wenn der Druck in dem Vakuumgefäß ein Fünfzehntausendstel des atmosphärischen Drucks, die magnetische Feldstärke 0,8 Oersted (kaum mehr als die des Erdmagnetismus) betrug und die Feldlinien parallel zu dem Stab verliefen.

Scott, Sturner und Williamson prüften nunmehr den Effekt in verschiedenen Gasen und fanden dabei heraus, daß sich der Stab zum Beispiel in Sauerstoff oder Stickstoff links, in Propan, Butan oder Methan jedoch rechts herum drehte, während in anderen Gasen, wozu Helium, Argon, Wasserdampf und Ammoniak gehörten, keine Drehung zu beobachten war.

Hieraus geht hervor, daß das Magnetfeld die Bewegung der Gasmoleküle offenbar derart verändert, daß sie in einer bevorzugten Richtung auf den Stab prallen.

Die hierdurch erzeugte Drehkraft ist außerordentlich gering; sie entspricht derjenigen, die ein Salzkorn auf dem einen Ende einer Miniaturwaage ausüben würde, deren Arme drei Millimeter lang wären.

Einen praktischen Nutzen ihrer Entdeckung sehen die drei Physiker aus Michigan darin, daß die Beobachtung dieses Phänomens Aufschluß über die Wirkung magnetischer Felder auf die Bewegung von Gasmolekülen geben kann. -ow