München

Etwas wehmütig blicken Nachrichtendienstler auf die Jahre ungestörten Wirkens ihrer „Hauptstelle für Befragungswesen“ zurück. In diesem Gewerbe liebt man Wirbel in der Öffentlichkeit nicht. Kein Wunder, daß die professionellen Erkunder über den Artikel „Bundesbehörde – beim Bund unbekannt/Vergebliche Fragen nach der Hauptstelle für Befragungswesen“ in der „Stuttgarter Zeitung“ nicht sehr glücklich waren.

Dort hatte die „Stuttgarter Zeitung“ ihren Lesern geschildert, wie man sich auf die Suche nach der „Hauptstelle für Befragungswesen“ machte, nachdem eine ältere Dame, die aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt war, eine Einladung zur „Befragung“ erhalten und sich voller Sorge an die Redaktion gewandt hatte. Auf der einen Seite beeindruckte sie das Schreiben einer Bundesbehörde mit Dienstsiegel, andererseits verspürte sie wenig Neigung, der Einladung zu folgen und über ihr Leben im anderen Teil Deutschlands zu erzählen. Schließlich wollte sie ja auch wieder einmal in die alte Heimat reisen und Freunde besuchen und fürchtete, ihre Mitteilsamkeit könnte ihr Schwierigkeiten bei DDR-Behörden machen.

Die Recherchen „Bundesbehörde – beim Bund unbekannt“ löste eine Kettenreaktion aus. Nicht nur Nachrichtendienstleute, auch Journalisten sind von Berufs wegen darauf bedacht, Erkenntnisse zu sammeln. In Bonn setzte sich UPI-Korrespondent Manfred Jacubowski ans Telephon und fragte die Pressereferenten der Länderinnenminister. Ob aus Wiesbaden oder aus München, ob aus Saarbrücken oder aus Mainz, die übereinstimmende Antwort: „Noch nie etwas davon gehört.“ Der UPI-Mann schloß daraus: „Selbst Deutschlands Innenminister haben offensichtlich bisher keine Ahnung von der Existenz dieser Behörde, obwohl sie in fast allen Bundesländern mit „Zweigstellen“ vertreten ist. Das stimmt allerdings nicht. Die zuständigen Landesbehörden wissen sehr gut, wem sie seit Jahr und Tag Obdach gewähren und Amtshilfe leisten. Die Hauptstelle für Befragungswesen könnte nämlich ihre Zweigstellen auf den Territorien der Länder nicht ohne vorherige Abstimmung einrichten. Vielleicht ist aber diese Tatsache etwas in Vergessenheit geraten.

Die Hauptstelle für Befragungswesen interessiert sich nach ihren Angaben für „Zugänge“ aus dem Osten. Das sind Übersiedler aus der DDR, die für immer ihren Wohnsitz in der Bundesrepublik nehmen, und Umsiedler aus den Ostblockstaaten.

Mit Nachdruck weisen die Beamten des Befragungswesens die Behauptung zurück, daß auch DDR-Rentner, die in der Bundesrepublik ihre Verwandten besuchen, zum vertraulichen Gespräch eingeladen werden. „Das stimmt nicht. Nur wer bei uns bleibt, wird um einen Besuch gebeten.“

Nicht nur Journalisten haben angefragt, bei Länderministerien, Bundesministerien und im Bundeskanzleramt. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Bundesjustizminister a. D., Ewald Bucher, will jetzt offiziell von der Regierung wissen: Gibt es eine „Hauptstelle für Befragungswesen“? Wenn ja, auf welcher gesetzlichen und haushaltsrechtlichen Grundlage arbeitet diese Stelle? Falls nein, will die Bundesregierung dafür sorgen, daß diese nicht existierende Stelle ihre Tätigkeit einstellt. Das Parlament ist auf Urlaub, und Frager Bucher wird sich gedulden müssen.