Es hat in Bonn von allem Anfang an Leute gegeben, die den persönlichen Zwist zwischen Bundesfinanzminister und Bundes Verteidigungsminister als starkes, ja beherrschendes Element in der Kontroverse um Wehrbudget und Verteidigungskonzept sehen wollten. „Der Strauß geht jetzt dem Schröder an den Kragen, das ist sein höchstes Glücksgefühl“, war im Bundeshaus schon vor Wochen zu hören.

Derlei Verteufelungspraktiken, die alle Schuld den Machenschaften eines einzigen zuschreiben, haben stets etwas fatal Einleuchtendes an sich. Dennoch sind sie meistens Unsinn. Desto bedauerlicher ist es, daß Franz Josef Strauß durch mancherlei Äußerungen den Verdacht genährt hat, er wetze jetzt am Schleifstein des Bundeshaushalts sein Messerchen für ein ganz privates Schlachtfest.

Schon seine Forderung nach einer neuen Verteidigungskonzeption, vorigen Monat im Bulletin der Bundesregierung erhoben, mußte von allen, die davon Kenntnis nahmen, als gezielter Schlag gegen Schröder verstanden werden. Sein Welt-Interview vom vergangenen Wochenende war nicht dazu angetan, diesen Eindruck zu verwischen. Es ist nichts Komisches daran, daß vom „Kriegsschauplatz“ Strauß-Schröder in Sondermeldungen berichtet wird.

Gewiß hat Gerhard Schröder ein halbes Jahr krampfhaft die Augen vor dem Unabwendbaren zugedrückt; und gewiß ist an den Vorschlägen, die Franz Josef Strauß unterbreitet, viel Vernünftiges. Aber Strauß saß lange Jahre auf Schröders jetzigem Posten, und manche Weichen sind damals unter seiner Ägide falsch gestellt worden. Er ist aus dem Glashaus ausgezogen, doch sollte er deswegen nicht mit Steinen werfen.

Die Verteidigungsdebatte darf nicht unterdrückt werden. Zu lange ist sie verdrängt und verschleppt worden; jetzt muß sie endlich frank und frei und ohne Tabuzwang geführt werden. Bloß darf sie nicht in ein Freistil-Match unverträglicher Minister ausarten. Um einen Lieblingsbegriff der Großen Koalition zu bemühen: Es geht allein um Sachfragen. Der Kanzler sollte mit aller brutalen Entschiedenheit darauf halten.

Th. S.