Blau-weiß-rot prangte der Blumenschmuck auf der Festtafel in der Redoute zu Bad Godesberg, als sich Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Kiesinger an ihr niederließen, um die deutsch-französische Freundschaft zu feiern.

Doch in den Wohlklang der Tischreden schlich sich Ernüchterung ein. Kiesinger bescheiden: „Das Entscheidende ist, daß wir beisammen bleiben.“ Denn auch beim zehnten Konsultationstreffen seit Bestehen des Elysee-Vertrages konnten sich Deutsche und Franzosen – bei aller Verbesserung der Atmosphäre – nicht auf ein politisches Gemeinschaftsprogramm mit Substanz einigen.

Die Partner wollen – wie es nach den Beratungen hieß – eine gemeinsame Kommission für wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit gründen, eine Studie zur Erforschung der politischstrategischen Lage in den siebziger Jahren anfertigen lassen und einen Generalkommissar für das deutsch-französische Freundschaftswesen ernennen.

Doch in den entscheidenden Fragen der großen Politik herrschten zwischen Deutschen und Franzosen noch immer „herzliche Meinungsverschiedenheiten“ (L’Aurore).

Freilich hob der General sein Glas „auf das ganze Deutschland“. Er fand lobende Worte für die neue deutsche Ostpolitik und versprach, in den arabischen Ländern um Verständnis für die neutrale deutsche Nahost-Politik zu werben. Auch schälte sich ein „europäisches Sicherheitssystem“ als Thema von gemeinsamem Interesse heraus.

Erneut aber malte de Gaulle das Gespenst einer amerikanischen Hegemonie über Europa an die Wand. Und was die Aufnahme Englands in die EWG anbelangt, blieb der Gallier hart. Von „Ernährungsweise“ bis „Geldsystem“ nannte der General eine ganze Liste von Bedingungen, die England vor einem Beitritt erfüllen müsse. De Gaulle: „Es muß werden, was wir sind – ein wirklich europäisches Land.“