DIE ZEIT

Sitzkrieg am Suez

Im Nahen Osten ist aus dem Blitzkrieg ein Sitzkrieg geworden. Vorige Woche herrschte die von der UN verordnete Waffenruhe nur noch auf dem Papier.

Export der Roten Garden

Daß die chinesische Armee die paar tausend britischen Soldaten in Hongkong sozusagen über Nacht ins Meer werfen könnte, darüber besteht keine Frage.

Freistil-Match

Es hat in Bonn von allem Anfang an Leute gegeben, die den persönlichen Zwist zwischen Bundesfinanzminister und Bundes Verteidigungsminister als starkes, ja beherrschendes Element in der Kontroverse um Wehrbudget und Verteidigungskonzept sehen wollten.

Nach Bukarest

Willy Brandts Bukarestreise, die ursprünglich für den Frühherbst geplant war, ist überraschend auf den 3. August vorverlegt worden.

ZEITSPIEGEL

„Es ist alarmierend, feststellen zu müssen, wie weit sich die offizielle französische Politik von den Tatsachen entfernt, wenn es darum geht, Argumente zu finden, um einen britischen EWG-Beitritt zu verhindern.

Kommissionen, Kommissionen . . .

Es bedurfte schon eines psychologischen Tricks, um den jüngsten Besuch des französischen Staatspräsidenten am Rhein als Erfolg buchen zu können.

Wolf gang Ebert:: Die großen Schweiger

Daß Kiesinger im persönlichen Gespräch mit de Gaulle auskommt, ohne daß sich bei dieser Gelegenheit die Beziehungen ihrer beiden Länder zueinander wesentlich verschlechtern, hat seine guten Gründe.

Was hat de Gaulle vor?

General de Gaulle hat in Bonn nicht verschwiegen, daß er im Begriff ist, einen neuen und wahrscheinlich entscheidenden Schritt der Abwendung von den USA zu machen.

Entmachtete Dogmatiker

Aus einer kleinen Meldung unter der nicht gerade sensationellen Überschrift „Das 13. Plenum der Sowjetgewerkschaften“ erfuhren die Sowjetbürger dieser Tage, daß einer der höchsten Kreml-Führer degradiert worden ist.

Mit dem Pfund wuchern

Die ersten tausend Tage Wilsons sind vorüber. Der englische Regierungschef gab sich erstaunt, als er in den Zeitungen las, nun amtiere er schon tausend Tage.

Negeraufstand in Newark

Seit drei Jahren herrscht ein permanenter Bürgerkrieg zwischen dem weißen und dem schwarzen Amerika. Doch noch nie ging es dabei so gewalttätig zu wie jüngst in Newark.

Namen der Woche

Dr. Otto von Habsburg, 54 Jahre, ältester Sohn des letzten österreichischen Kaisers, bis 1966 aus politischen Gründen aus seiner Heimat verbannt, dann als „einfacher Staatsbürger“ wieder zugelassen, wurde bei einer fünftägigen Rundreise durch 25 Gemeinden Osttirols mit Böllerschüssen und Ehrensalven empfangen.

Vietnam: Johnson tritt auf der Stelle

Die zweite Juliwoche war für die Amerikaner eine der verlustreichsten Wochen im Vietnamkrieg. Amerikanische Marine-Infanterie wurde bei Kämpfen südlich der entmilitarisierten Zone so schwer mitgenommen, daß Fernbomber des Typs B-52 herbeizitiert wurden, obwohl sie eine leichte Beute nordvietnamesischer Flugabwehrraketen hätten werden können.

Razzia in Hongkong

In Kowloon, Tsuen Wan und Hongkong gingen Polizisten und Soldaten am vorigen Wochenende gegen die Hauptquartiere kommunistischer Gewerkschaften vor.

Gespräche ohne Illusion

Blau-weiß-rot prangte der Blumenschmuck auf der Festtafel in der Redoute zu Bad Godesberg, als sich Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Kiesinger an ihr niederließen, um die deutsch-französische Freundschaft zu feiern.

Lagos vor dem Sieg?

In Nigeria schien sich zu Beginn der Woche eine Niederlage der rebellischen Ostregion anzukündigen, die sich am 30. Mai als „Republik Biafra“ etabliert hatte: Truppen der Zentralregierung standen nach der Einnahme von Nsukka angeblich nur noch 60 Kilometer vor der Provinzhauptstadt Enugu.

UN-Beobachter am Kanal

Während sich die Nahost-Debatte der UN-Vollversammlung in New York einem ruhmlosen Ende entgegenschleppte, konnten die Vereinten Nationen im Krisengebiet einen ersten Erfolg demonstrieren: Seit Montag dieser Woche wachen auf Geheiß des Weltsicherheitsrates UN-Beobachter an beiden Ufern des Suezkanals über die Waffenruhe zwischen Ägypten und Israel.

Von ZEIT zu ZEIT

Bei einer ersten Revision der mittelfristigen Finanzplanung beschloß das Bundeskabinett einen Start der Mehrwertsteuer zum 1.

Rekordpreise auf Kunstauktionen für Rembrandt oder Picasso täuschen über die wahre Lage des Kunsthandels hinweg: Wie künstlich ist der Kunstmarkt?

Seit der berühmte Pariser Kunsthändler Durand-Ruel sich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für den französischen Impressionismus eingesetzt und diese Kunst, die selbst bei den sogenannten Fachleuten lange Zeit nur Hohngelächter und Verachtung erntete, gegen den erbitterten Widerstand des französischen Großbürgertums zum Erfolg geführt hat, seither besteht der Verdacht einer unheiligen Allianz zwischen Kunst und Kommerz.

Kunstkalender

Die Sammlung Schäfer zeigt den frühen Realismus in einer Breite, die eilige Besucher ungeduldig macht. Die anerkannten Namen, die Künstler, die dem strengen Museumsstandard genügen, sind in der Minderzahl: Kobell, Blechen (mit zwölf Arbeiten, die ihn bis auf den „Blick aufs Meer“ nicht sehr gut repräsentieren), Dahl, der Freund und realistische Antipode von Caspar David Friedrich, Franz Krüger, Raisky (mit Kindergruppen und einer überraschend dramatischen Studie „Der Strolch“), Rottmann, Menzel (mit einer sehr bedeutenden Kollektion, die Sammlung Schäfer ist für ihre Menzels berühmt), schließlich Waldmüller und Spitzweg (mit dem bekannten „Bücherwurm“ und einer malerisch interessanteren impressionistischen Studie „Mädchen auf dem Baum“ aus dem Nachlaß).

Akademie bei Nacht

Countdown: 11. Juli. Startplatz: ein alter Park an einer alten Akademie, deren Verfassungsurkunde Schelling geschrieben hatte, deren erste Direktoren für München den Klassizismus erobert hatten, deren zweiter Direktor, Peter Cornelius, vom Kronprinzen Ludwig, dem späteren Ludwig eins, enthusiastisch begrüßt worden war: „Seit denen Cinquecentis gab es keinen Maler wie meinen Cornelius.

Ein Dach für den Neandertaler

Der Direktor des Rheinischen Landesmuseums in Bonn, Professor Harald von Petrikovits, konnte den Bundespräsidenten, Exzellenzen und eine Magnifizenz begrüßen, als das neue Haus des im Krieg zerstörten Museumsgebäudes in der Colmantstraße am Dienstag eröffnet wurde: Das Rheinische Landesmuseum genießt Ansehen und hat Tradition.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die brutalen Gefängnisstrafen für die Rolling Stones Mick Jagger und Keith Richard (drei und zwölf Monate: pot trouble), das phantastische Sergeant-Pepper-Album der Beatles (die BBC hat „A Day in the Life auf den Index gesetzt: wegen gemeingefährlicher Propagierung der Droge, warum nicht „L.

ZEITMOSAIK

Der Mensch kann alles aus sich machen, und man kann alles aus ihm machen; dieses scheint mir der Haupttext für den zu sein, der das kühne Werk unternimmt, eine Geschichte der Menschheit zu schreiben.

Fernsehen: Zufrieden, Herr Minister?

Schon der Titel war irreführend: Einige Tage im Leben des Franz-Josef Strauß. Er hätte besser geheißen: Hommage à Strauß, verkündet, an ausgewählten Szenen verdeutlicht und durch ein Interview bereichert von Matthias Walden.

Eine Tugend fürs Alter

Die Wahrheit ist ziemlich bitter – wie Pflaumenkerne. Völlig erwachsen, bekommt einem sogar ihr Gift. Es macht mündig und frei.

Israel für Touristen

„Mein geliebtes Israel“, Einleitung von Joseph Kessel, Bildtexte von Noel Calef, Photos von Patrice Molinard, aus dem Französischen von Waldemar Sonntag; Verlag der Europäischen Bücherei H.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT in Form von Originaltexten aus Beschreibungen, Erinnerungen, Briefen, Tagebüchern politischer Akteure, Archäologen, Historiker, Philosophen, Weltreisender, Abenteurer, Künstler und Schriftsteller, verknüpft durch überleitende Erläuterungen des Herausgebers, eine gedankliche Wanderung durch die Hauptschauplätze und Landschaften abendländischer Geschichte.

Bitterkeit ohne Zorn

Daß Geschichtenbände zeitgenössischer Autoren von unseren Verlegern in der Regel nur unwillig und zögernd auf den Markt gebracht werden, liegt nicht an ihnen, sondern an den deutschen Lesern.

FILMTIPS

„Masculin-féminin“, von Jean-Luc Godard. Ein Film-Essay über die französische Jugend und zugleich ein Film-Essay über den Film-Essay: ein didaktischer Film, ein Kolleg über das zweckmäßige Filmemachen und zugleich eines über den Realitätscharakter von Vorstellungen, Nachrichten, über Sprachschwierigkeiten, Schwierigkeiten des Denkens, ein Film über die Politik.

Kurzschluß

In Berlin wird zur Zeit von Studenten und Assistenten der Freien Universität über eine Einrichtung beraten, die der Diskussion um Studien- und Hochschulreform einen ganz neuen Akzent gibt: die „kritische“ oder „Gegen-Universität“, die ihre Vorlesungen und Seminare mit dem kommenden Wintersemester beginnen soll, obwohl über Organisation und etwa auch die Frage der Lehrenden bislang noch keineswegs Übereinstimmung unter den Gründern herrscht.

Die Zeit der Gerüchte ist für mich vorbei

Nach dem Tode Wieland Wagners haben Gerüchte und öffentliche Kontroversen zwischen Mitgliedern der Wagner-Familie sowie Darstellern zu zahlreichen Spekulationen über die Zukunft Bayreuths Anlaß gegeben.

Erfurther Stadttheater

Die Bad Hersfelder Festspiele erheben den Anspruch, eines der beiden wichtigsten Wort-Festspiele in Deutschland zu sein. Außer vom Lande Hessen werden die Bad Hersfelder Festspiele auch von der Bundesregierung subventioniert.

Schaum-Schlägereien

Die Firma Henkel brach ein Tabu, das bisher sowohl für das eigene Haus als auch für die Branche gegolten hatte: Sie nannte Zahlen über ihren Anteil am Markt für Waschmittel.

Veraltet

Die Bundesregierung beabsichtigt wieder einmal, einige statistische Unterlagen nach einer Methode zu erlangen, die schon vor zweitausend Jahren im Heiligen Land und anderswo üblich war: Es wird ein Gesetz erlassen, „daß alle Welt geschätzt werde“.

Stahlring

Auf eine „Offensive ohne Anti-Akzent“ hat sich der konzernfreie Stahlhandel eingestellt, um nicht nur im Geschäft zu bleiben, sondern es möglichst auch zu machen.

Rote Zahlen

Die Bundesbahn fährt mit Volldampf in die Verlustzone. Das Defizit wird in diesem Jahr um rund 500 Millionen Mark höher sein, als im Wirtschaftsplan veranschlagt.

Lohnpause

Dem weitaus größten Teil der Arbeiter und Angestellten ist heute die Erhaltung der Arbeitsplätze wichtiger als die Aufrechterhaltung der bisherigen Verdienste und der freiwilligen Sozialleistungen.

Wissen – wichtiger als Armeen

Eine tückische, schleichende Krankheit hat die Volkswirtschaften West- und Mitteleuropas und hier insbesondere der Bundesrepublik erfaßt.

Diskussion über die „Neue Wirtschaftspolitik Feiert Hjalmar Schacht zu Lebzeiten Auferstehung? Ein Kritiker Professor Müller-Armacks warnt vor einer inflationistischen Politik des deficit spending: Ist die Krise schon vorbei?

Steht uns die Krise erst bevor?“ fragt Müller-Armack in der ZEIT. Seine Ausführungen haben überall Aufsehen erregt. Das liegt nicht nur an dem hohen Ansehen, das der Wirtschaftsprofessor und frühere Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium allseits genießt.

Bundespost: Höhere Gebühren?

Eine bisher kaum beachtete unangenehme Auswirkung der mittelfristigen Finanzplanung ist eine Gebührenerhöhung bei der Bundespost, die sich in den nächsten Jahren kaum verhindern läßt.

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