Dem weitaus größten Teil der Arbeiter und Angestellten ist heute die Erhaltung der Arbeitsplätze wichtiger als die Aufrechterhaltung der bisherigen Verdienste und der freiwilligen Sozialleistungen. Die meisten Betriebsräte sind der Ansicht, daß die in ihren Betrieben getroffenen Sparmaßnahmen von der Auftrags- und Ertragslage gerechtfertigt waren; in vielen Fällen hätten sich dadurch Entlassungen vermeiden lassen.

Dieses Ergebnis einer Repräsentativbefragung der Wickert Institute (Tübingen) ist gewiß nicht sensationell neu. Es wirft aber die Frage auf, ob sich die Gewerkschaften, die sich gegenwärtig um eine Absicherung der Effektivverdienste durch Tarifierung der über- und außertariflichen Leistungen bemühen, noch in Übereinstimmung mit dem Willen ihrer Mitglieder befinden. Ganz so einfach jedenfalls, wie sich das in der Stahlindustrie machen ließ, wird es in der Metall- und Textilindustrie sicher nicht zu praktizieren sein.

Die Wirtschaft braucht einen übertariflichen Spielraum, um sich den Veränderungen der Konjunktur elastisch anpassen zu können. Je mehr dieser Spielraum durch Fixierung übertariflicher Lohnbestandteile eingeengt wird, um so schwerer wird es den Betrieben gemacht, auch unter dem Druck der Flaute ihre Arbeiter und Angestellten weiter zu beschäftigen. Die Gewerkschaften sollten darum der Wirtschaft das geben, was sie jetzt braucht und wozu ihre englischen Kollegen vom Staat gezwungen wurden: eine Lohnpause.

kr.