The World Food Problem lautet der Titel eines umfassenden Berichts, den eine Experten-Kommission, geleitet von Dr. Ivan L. Bennett, dem geschäftsführenden Direktor des Büros für Wissenschaft und Technik im Weißen Haus, herausgegeben hat. Es ist die bislang sorgfältigste Studie des Problems, das Präsident Johnson ansprach, als er erklärte: „Gleich hinter dem Streben nach Frieden besteht die größte Aufgabe der menschlichen Gesellschaft darin, dem Wettlauf zwischen Nahrungsmittel-Erzeugung und Bevölkerungswachstum die entscheidende Wende zu geben. Gegenwärtig sind wir dabei, dieses Rennen zu verlieren.“

Vom technischen Standpunkt aus gesehen ist die Situation keineswegs problematisch. Nahrung ist Brennstoff für die Maschinerie des Körpers und Baumaterial für seine Struktur. Jeder von uns konsumiert ungefähr eine Million Kalorien pro Jahr – das entspricht rund 150 Watt Elektrizität.

Diese Megakalorie Energie ist in rohem Brennstoff einen Dollar wert, aber der menschliche Organismus verbrennt weder Kohle noch Erdöl. Immerhin fangen die Pflanzen der Erde, die mit einem Wirkungsgrad von nur zwei Prozent arbeiten, soviel Sonnenenergie ein, daß damit das Dreihundertfache der gegenwärtigen irdischen Bevölkerung versorgt werden könnte. Nur sind wir nicht imstande, Holz oder Seegras zu verdauen. Der weitaus größte Teil jener photosynthetischen Produkte wird vom Feuer, bei der Zersetzung durch Mikroben und in den Nahrungsketten anderer Lebewesen aufgezehrt.

Die Landwirtschaft ist nach wie vor der billigste Weg zur Versorgung des Menschen mit Nahrungsenergie. Folglich nutzen wir die modernen Methoden, Nahrungsstoffe zum Beispiel aus Petroleum oder Erdgas zu synthetisieren, nicht aus.

In der Tat könnte die chemische Industrie durch Umwandlung von Energie, Kohle, Erdöl und Naturgas in Nahrungsstoffe die gesamte Weltbevölkerung zu einem Preis von etwa hundert Dollar pro Kopf und Jahr ernähren. Bei dieser Abschätzung ist die Herstellung von Proteinbestandteilen, die der gesunde Mensch braucht, wie zum Beispiel die Aminosäuren Lysin, Tryptophan und Threonin, mit berücksichtigt.

Der Aufbau einer solchen, die Landwirtschaft ersetzenden Industrie, die täglich zehn Milliarden Pfund konzentrierter Nahrungssubstanz produzieren müßte – ungefähr zehnmal soviel, wie an Automobilkraftstoff in den Vereinigten Staaten erzeugt wird –, würde hohe Investitionen erfordern. Doch wenn der Markt für diese Produkte vorhanden wäre, könnten sie von den Industriestaaten ohne Zweifel geliefert werden; vermutlich wären dazu allein schon die USA in der Lage.

Wir brauchen so extreme Lösungen des Welternährungsproblems nicht anzustreben, denn es ist nicht in erster Linie technischer Natur. Wir hören zwar immer wieder eindringliche und realistische Warnungen vor einer globalen Nahrungsmittelknappheit, indessen fallen die Weltpreise auf dem Ernährungssektor ständig. Wie erklärt sich dieser Widerspruch? Die Antwort ist: Hunger und der effektive Bedarf stehen mit einander in keiner direkten Relation.