Die „Tour de France“ hat einen prominenten Toten zu beklagen, den zweiten in ihrer Geschichte: Weltmeister Tom Simpson. An einem heißen Tag in den Vaucluser Bergen fiel der Engländer beim „Erklettern“ des Mont Ventoux plötzlich zurück, dann fuhr er zick-zack, torkelte und brach zusammen. Tourarzt Dr. Dumas, der bald zur Stelle war, versuchte, den Bewußtlosen durch Mund-zu-Mund-Beatmung wieder zum Leben zu erwecken – vergebens! Simpson wurde nach Avignon, der alten Papststadt, ins Hospital gebracht, wo er bald starb.

Die Polizei entdeckte zwei leere Ampullen eines starken Aufputschmittels in seinem Dreß, was den Verdacht des Dopings praktisch bestätigte. Dies ausgerechnet an dem Tag, an dem Ärzte erschienen waren, um dem französischen Anti-Doping-Gesetz durch entsprechende Urinkontrollen Genüge zu tun.

1960 in Rom beim Straßenrennen der Olympischen Spiele ereignete sich schon einmal ein ähnlicher tödlicher Zusammenbruch – auch damals drückende Hitze, auch damals war es letztlich ein Dopingmittel, wie eine Ärztekommission später feststellte, das dem jungen dänischen Fahrer das Leben kostete.

Sportliche Ausdauerstrapaze, plus Hitze, plus Doping, das scheint eine mörderische Trias zu sein. Eine extreme Doppelbelastung des Organismus und dazu die Droge, welche zum Durchbrechen der physiologischen Schutzbarriere führt!

A. M.