Die zweite Juliwoche war für die Amerikaner eine der verlustreichsten Wochen im Vietnamkrieg. Amerikanische Marine-Infanterie wurde bei Kämpfen südlich der entmilitarisierten Zone so schwer mitgenommen, daß Fernbomber des Typs B-52 herbeizitiert wurden, obwohl sie eine leichte Beute nordvietnamesischer Flugabwehrraketen hätten werden können. Dreimal belegten sie Artilleriestellungen des Gegners mit Bombenteppichen.

Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. In der Nacht zum Samstag feuerten die Vietcongs 50 bis 70 Raketen auf den großen US-Luftstützpunkt Da Nang. Sie leisteten ganze Arbeit: 42 Flugzeuge wurden zerstört oder schwer beschädigt. Baracken, Treibstoffdepots und Bombenlager gingen in die Luft.

Im nächsten Vierteljahr wollen die USA nochmals 30 000 Soldaten nach Vietnam verlegen, so daß die Gesamtstärke ihres Expeditionskorps auf rund 500 000 Mann anwachsen wird. Im nächsten Jahr sollen mehr Truppen folgen. General Westmoreland hatte für dieses Jahr rund 100 000 Mann verlangt, jedoch entschlossen sich Präsident Johnson und Verteidigungsminister McNamara zu einem Kompromiß. Damit nicht so kurz vor dem Wahljahr noch Reservisten aufgerufen werden müssen, sollen die fehlenden Truppen in einer „Aktion Heldenklau“ in der Etappe ausgekämmt werden. Bei seinem Besuch in Südvietnam rügte McNamara die nutzlose Beschäftigung großer Truppenteile hinter der Front. Auch vom südvietnamesischen Verbündeten und von den anderen Alliierten (Südkorea, Australien, Thailand, Philippinen) erwartet er größere Anstrengungen.

Der südvietnamesische Staatschef Thieu seinerseits verlangte noch mehr amerikanische Truppen. Auf die Frage, warum er nicht die vielen jungen Leute in den Straßen Saigons einziehe und eine Generalmobilmachung anordne, verwies er auf Schwierigkeiten in der Ausbildung und Ausrüstung.

So bleibt alles beim alten – die USA werden von Tag zu Tag tiefer in den vietnamesischen Morast hineingezogen, ohne daß ein Ende des Krieges abzusehen wäre. Selbst Senator Richard Rüssel, Wortführer der „Falken“ im Kongreß, meinte: „Wir brauchen eher eine neue Politik als neue Truppen in Vietnam.“