Seit der berühmte Pariser Kunsthändler Durand-Ruel sich in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für den französischen Impressionismus eingesetzt und diese Kunst, die selbst bei den sogenannten Fachleuten lange Zeit nur Hohngelächter und Verachtung erntete, gegen den erbitterten Widerstand des französischen Großbürgertums zum Erfolg geführt hat, seither besteht der Verdacht einer unheiligen Allianz zwischen Kunst und Kommerz.

Dieser Verdacht hält sich mit erstaunlicher Hartnäckigkeit, er hat sich im Laufe der Jahre eher noch verstärkt, und zwar in dem Maße, in dem sich die moderne Kunst dem allgemeinen Verständnis entzieht und es schwieriger zu werden scheint, sich auf Kriterien der Qualität zu einigen.

Vielen, um nicht zu sagen den meisten, kommt die zeitgenössische Kunst(produktion) wie eine Massenkonfektion von des Kaisers neuen Kleidern, wie eine großangelegte internationale Verschwörung einer kleinen profitgierigen Clique von Künstlern, Händlern und Kritikern vor, die ihr Geschäft mit der Arglosigkeit ihrer Zeitgenossen zu machen versuchen.

Selbst diejenigen, die der Kunst der Gegenwart grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen, führen von Jahr zu Jahr lauter Klage über die zunehmende „Kommerzialisierung“.

Immer wieder liest und hört man davon, daß der Kunstmarkt in die Nähe des Aktienmarktes gerückt und das Kunstwerk zum Spekulationsobjekt degradiert worden sei. Die in der Tat atemberaubenden Preissteigerungen, die während der vergangenen Jahre vor allem für alte, teilweise aber auch für moderne Kunst zu verzeichnen waren, haben das Unbehagen noch verstärkt.

Die Tatsache, daß sich das Schwergewicht des internationalen Kunsthandels wie auch des Kunstschaffens seit einigen Jahren von Europa nach Amerika, genauer, von Paris nach New York (also in die Nähe der Wallstreet) verlagert hat, wird von manchem als letzte Bestätigung dafür angesehen, daß die Manager und Spekulanten die Überhand gewonnen haben.

Was ist von derlei Vermutungen und Verdächtigungen zu halten? In welchem Maße wird die Kunst der Gegenwart wirklich gemanagt? Was hat es mit der angeblichen Manipulierbarkeit des Kunstmarktes auf sich? Lassen sich Künstler tatsächlich lancieren? Kann man neue Kunstrichtungen wie neue Moden kreieren? Sind Kunsthändler wirklich nur oder in erster Linie Geschäftemacher? Sind die Sammler moderner Kunst vielleicht nur Spekulanten?