Donnerstag, 13. Juli, 22.15 Uhr, Erstes Programm:

Schon der Titel war irreführend: Einige Tage im Leben des Franz-Josef Strauß. Er hätte besser geheißen: Hommage à Strauß, verkündet, an ausgewählten Szenen verdeutlicht und durch ein Interview bereichert von Matthias Walden. Nicht um objektive Dokumentation, sondern um Apologie, nicht um Fragen, sondern um Antworten, nicht um Möglichkeiten, sondern um Thesen, Axiome und Imperative ging es in diesem Film. Obwohl der geschulte Zuschauer in jedem Augenblick merkte, wie sehr Franz-Josef Strauß über den Mitunterredner, die präsente Gemeinde hinweg zum Publikum sprach (einerlei, ob er nun über sein Pflichtbewußtsein oder seine Trinkfestigkeit meditierte), obgleich man im Protagonisten der Sendung den geübten Brechtschen Schauspieler wiedererkannte, einen Mann, der seine Rolle markierte, wollte Walden den Betrachter glauben machen, Strauß habe das Kamerateam ignoriert – und dies mit unendlicher Geduld –, die Arbeit an seinem Porträt interessiere den Mächtigen nicht.

Eine laudatio also, ein Herrscherlob, das alle Topen enthielt, die seit der Antike zum Preislied und zumal zum Preislied auf den Fürsten gehören. Der Sri war feierlich, die Diktion, dem Enkomion entsprechend, metaphorisch und bilderreich: Wie ein Bagger durch den Kies wühlt sich Strauß durch seine Termine; sie sind für ihn Prokrustesbrett und Daumenschrauben; man hat ihn geleert und gefiedert – aber er überwand die Tortur. Es dominierte das Pathos der Predigt, ein Hofprediger-Pathos, das Religiöses auf Säkulares bezog: Mißmut schlug um in Harmonie und große Milde, die Pein des verfolgten Strauß erreichte den Grad des Leidens. Auch an Kanzel-Wortspielen, an gewichtigen Paronomasien fehlte es nicht: Es scheint den Menschen die Stimme verschlagen zu haben, die einst auf ihn eingeschlagen haben. Kurzum, hier wurde gewaltig in die Saiten gegriffen. Es war, als sei des zweiten Wilhelm Hofprediger Stoecker aus dem Grab entstiegen, um einen Enkel in blumiger Rede, so sentimental wie bombastisch, zu feiern.

Ein wilhelminischer Lobgesang, der alle wichtigen Teile der Rede enthielt: Die exemplarische Erzählung, die Vorführung des Tatbestands, fehlte so wenig wie die Zurückweisung feindlichen Einwands, das Zitieren von Zeugenaussagen oder das Herausstellen jener Beweise, die man die künstlichen nennt. Zug um Zug gewann das Idealbild Gestalt, wieder einmal hatte ein Herrscher seinen Rühmer gefunden ... nur daß es kein Walther und kein Petrus de Vinea, sondern nur ein Stoeckerchen war, das in der Kanzelsprache von gestern und der Illustriertensprache von heute (Was haben Sie für persönliche Neigungen? Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?) dem Großen seine Reverenz erwies.

Nur Lob also? Kein Messerspitzchen, voll Pfeffer? Kein Salzkorn, das den Zucker doppelt süß erscheinen ließ? Nun, immerhin gab es in dieser Andachtsstunde auch einen Grabreden-Topos. „Strauß“, sagte Walden, „ist kein Übermensch.“

Ein Satz, gegen den man kaum etwas einwenden kann. Momos